Mecklenburg-Vorpommern : Schattenseite des Tourismus

Foto: Jens Büttner
Foto: Jens Büttner

Eine Studie zeigt: Geringe Wertschöpfung findet im Gastgewerbe statt. Niedrige Löhne und Gewinne fließen ab.

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27. Dezember 2017, 05:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern verdient das Gastgewerbe pro Gast im bundesweiten Vergleich sehr wenig Geld. Mit 37,29 Euro je Gästeübernachtung werde die geringste Bruttowertschöpfung im Gastgewerbe erzielt.

Ursachen dafür seien unter anderem die niedrige Entlohnung, Qualitätsdefizite und die Struktur der Übernachtungen, sagte der Greifswalder Wirtschaftsgeograf Helmut Klüter. In MV übernachteten im Vergleich zu anderen Bundesländern überdurchschnittlich viele Menschen auf Campingplätzen sowie in Ferienhäusern und
-wohnungen. Campingplatz-Touristen seien weit weniger wertschöpfungsintensiv als Hotelgäste, die einen großen Teil weiterer Dienstleistungen im Hotel kauften.

Klüter legt für seine Berechnung die für alle Länder statistisch erhobene Bruttowertschöpfung im Gastgewerbe zugrunde und setzt sie mit den Gästeübernachtungen in Beziehung. Sie betrug 2015 für MV etwa rund 1,22 Milliarden Euro. Als Basis für den Vergleich setzt der Forscher die Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder (VGRdL) von 2013 an. Demnach betrug der deutsche Durchschnitt der Wertschöpfung pro Gästeübernachtung 90,43 Euro. Am meisten verdiente das Gastgewerbe in Bremen mit 152 Euro pro Gästeübernachtung. Grund seien der überdurchschnittlich hohe Hotelanteil und die zahlreichen Restaurants, die in großen Städten auch von vielen Einheimischen besucht werden.

Dem Wirtschaftsministerium liegen keine Zahlen vor, die die Wertschöpfung pro Übernachtung beziffern. Ein Vergleich zu anderen Bundesländern sei aufgrund der unterschiedlichen angewandten Methoden nicht sinnvoll durchführbar, sagte ein Sprecher. Laut Ministerium beträgt die touristische Wertschöpfung, die auch Querschnittseinnahmen durch Touristen im Handel oder Verkehr einschließen, mit 4,1 Milliarden Euro zwölf Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in MV. Allein 3,3 Milliarden Euro würden durch Beherbergung, Besuche von Restaurants und Freizeiteinrichtungen eingenommen, 760 Millionen Euro durch tourismusnahe Unternehmen wie beispielsweise Wäschereien.

Eine Studie des Ministeriums zum Ferienwohnungsmarkt von 2013 setzt die Tagesausgaben pro Gast bei 68 Euro an. Dennoch sieht auch das Ministerium Handlungsbedarf. Künftig müsse qualitatives vor quantitativem Wachstum gehen und mehr Wertschöpfung pro Gast erreicht werden. Als Problem für MV sieht Klüter, dass Gewinne häufig in andere Regionen abflössen, weil die Betreiber von Hotels und Ferienanlagen dort steuerlich veranlagt seien. „In Binz gibt es nur noch drei einheimische Hoteliers in der ersten Reihe an der Promenade.“ Alle anderen Häuser seien in westdeutscher, ausländischer oder Berliner Hand. Durch das Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“ seien viele Hotels in den Ortskernen der Seebäder an Westdeutsche gefallen.

Einen weiteren Grund für die vergleichsweise niedrige Wertschöpfung sieht der Wirtschaftsgeograf darin, dass es in MV kaum Unternehmen gebe, die Restaurant- und Hotelausstattungen produzierten. So müssten diese Vorleistungen in anderen Bundesländern eingekauft werden. Hinzu komme der schwache Ausländertourismus.

Dennoch habe der Tourismus in MV eine wichtige Schaufensterfunktion für die übrige Wirtschaft, sagte Klüter. Seit 2013 sei MV nicht zuletzt wegen seiner hohen Wohn- und Freizeitattraktivität für die deutsche Bevölkerung ein Zuwanderungsland. Das Zuwanderungswachstum habe inzwischen mehr als die Hälfte der Gemeinden erfasst.

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