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Mecklenburg-Vorpommern : Schätze zum zweiten Mal geborgen

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Die Archäologen in MV sind arm dran: Zwar holen sie Jahr für Jahr massenhaft historische Reichtümer wie Münzen, Waffen oder Gräber ans Tageslicht. Doch die Arbeitsbedingungen der Schatzsucher lassen zu wünschen übrig.

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erstellt am 20.Dez.2012 | 07:17 Uhr

Schwerin | Eine tausend Jahre alte Streitaxt, die am Kap Arkona auf der Insel Rügen entdeckt wurde, nimmt sich Restauratorin Jamina Hirschberg in Schwerin vor. Mit einem Skalpell reinigt sie die Oberfläche des wertvollen Fundes. Mecklenburg-Vorpommerns Schatzsucher sind arm dran: Zwar holen sie Jahr für Jahr massenhaft historische Reichtümer ans Tageslicht wie Silbermünzen, Waffen, Urnen, Gräber oder ganze Wracks aus der Ostsee. Doch die Arbeitsbedingungen der Archäologen lassen zu wünschen übrig. Übers Land verstreute Notdepots müssen dringend geräumt und Tausende Funde der letzten Jahrzehnte nun ein zweites Mal gerettet werden, wie Landesarchäologe Detlef Jantzen sagt.

Doch erst 2017 solle für 50 Millionen Euro ein neues Depot samt modernen Werkstätten gebaut sein, erklärt der Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, Michael Bednorz. Retten und Bergen gehe vor Ausstellen. Frühestens 2027 könne vielleicht ein Archäologisches Museum fürs Land neu entstehen, sagt Bednorz. Das einstige Museum für Ur- und Frühgeschichte im Schweriner Schloss war vor 20 Jahren geschlossen worden. Es musste damals dem Landtag des neu gegründeten Bundeslandes weichen.

Bis das neue Depot steht, müssen sich die Archäologen mit Provisorien begnügen. Ein ausgedientes Industriegebäude in Schwerin-Süd nimmt zig Tausende Fundstücke auf, die peu à peu angeliefert werden, wie Jantzen sagt. Aktuell sei vielfach nicht einmal bekannt, welche Kulturgüter wo genau lagern und in welchem Zustand sie sind, räumt der Wissenschaftler ein. Als Erstes wurden in den letzten eineinhalb Jahren zwei in "Schatzlager" umfunktionierte, verschimmelte Bunker in Lübstorf bei Schwerin geräumt. 70 000 Funde, darunter Faustkeile, Keramiken und Gesteine, wurden geborgen und gereinigt, neu beschriftet, archiviert und erstmals digitalisiert. Von den 20 000 dendrochronologischen Holzscheiben, deren Jahresringe das Alter von Häusern oder Schiffswracks verraten, sei ein Großteil aber verrottet.

"Jeder Verlust hinterlässt Lücken in der Geschichtsschreibung des Landes", weiß Chefarchäologe Jantzen. Einen europaweiten Aufschrei der Wissenschaft gab es vor einigen Jahren, als drei Steinzeit-Boote in einem Schweriner Notdepot zerbröselten. Die Auflösung aller verbliebenen Behelfslager und die Rettung der dort chaotisch abgestellten schätzungsweise 500 000 Fundstücke werde, falls dafür mindestens ein Dutzend Restauratoren eingestellt würden, noch rund vier Jahre dauern, meint Amtsleiter Bednorz.

"Dennoch haben wir jetzt eine klare Perspektive für die Archäologie", betonte Bednorz. "Hundertprozentig ist auszuschließen, dass sich ein Fall wie der der zerfallenen Einbäume wiederholt." Stattdessen werde es künftig weitere "Jahrhundertfunde" an Ostsee und Seenplatte geben, die nun endlich angemessen aufbewahrt werden können, meint Landesarchäologe Jantzen. Erst diesen Sommer gab es solch einen Lichtblick: Mecklenburgs größter und ältester Geldschatz aus purem Silber wurde vor den Toren Schwerins ausgegraben.

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