Verborgene archäologische Stätten : Schätze beim Pflügen zerstört

Foto: dpa
1 von 2
Foto: dpa

Deutschlands Archäologen schlagen Alarm: Immer wieder werden Fundplätze auf Feldern und in Wäldern bei landwirtschaftlichen Arbeiten zerstört. Nun tagen Denkmalpfleger aus ganz Deutschland in Rostock zu dem Problem.

von
27. Mai 2013, 10:06 Uhr

Rostock | Deutschlands Archäologen schlagen Alarm: Immer wieder werden Fundplätze auf Feldern und in Wäldern bei landwirtschaftlichen Arbeiten zerstört. "Vor allem die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft hat in der Vergangenheit zu einem sehr beachtlichen Problem beim Erhalt archäologischer Fundstellen geführt", sagte der Rostocker Professor für Landschaftsplanung und Landschaftsgestaltung, Holger Behm. "Es ist ein schleichender Verlust und es geht darum, das zu erkennen."

An diesem Montag und Dienstag tagen Denkmalpfleger aus ganz Deutschland in der Hansestadt zu dem Problem. Behm organisiert die Tagung gemeinsam mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern.

Dem Wissenschaftler zufolge können in jedem Feld zumindest Einzelfunde von Bedeutung liegen. Davon hätten aber die wenigsten Bauern eine Vorstellung, sagte er und forderte, bei der Ausbildung von Land- und Forstwirten das Augenmerk auch auf die Kulturgüter im Boden zu richten. Ziel sei ein standortangepasstes Wirtschaften, um die Zeugnisse der Vergangenheit für die Zukunft zu bewahren.

Angehende Landwirte würden vielfältige Kenntnisse erwerben, vom Wasserhaushalt bis zum Schutz des Bodens, sagte Behm. "Völlig unterrepräsentiert ist bisher jedoch das Schutzgut archäologische Struktur. Das sind in weiten Bereichen aber die einzigen Zeugen unserer Geschichte."

Mit einem Arbeitsgang könne beim Pflügen kaputtgehen, was Jahrtausende im Boden überdauert habe. Angehende Archäologen und Denkmalpfleger wiederum müssten in ihrem Studium etwas über moderne Bodennutzung lernen, was bisher kaum der Fall sei.

Mitunter fielen in der Vergangenheit der Landwirtschaft auch übertägige, sichtbare Bodendenkmäler zum Opfer, wie bronzezeitliche Hügelgräber. "Wenn man den Hangfuß solcher Erdwerke anpflügt, kommt es dort zu verstärkter Bodenerosion und in der Folge verschwindet das Bauwerk nach und nach", sagte Behm. Viele einst das Landschaftsbild prägende Hügel und Burgwälle seien heute nur noch auf Luftbildern als unterirdische Strukturen auszumachen.

Wer als Landwirt wissen will, ob und wenn ja, wo auf seinen Feldern archäologische Stätten vermutet werden, kann bei den zuständigen Denkmalbehörden nachfragen, sagte Behm. Wie weit er jedoch Auskunft bekommt, sei von Fall zu Fall unterschiedlich. Es lägen viele Daten vor, gerade in den neuen Bundesländern, wo nach der Freigabe des Luftraums 1990 zahlreiche Luftaufnahmen des Bodens für die Archäologie gemacht worden seien. "Die Daten sind aber sensibel", sagte er. Sie seien nicht für jedermann einsehbar, um Raubgräberei zu vermeiden.

Die Zerstörung archäologischer Stätten durch Land- und Forstwirtschaft sei ein internationales Problem, sagte Behm, der in einem partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Archäologie, Land- und Forstwirtschaft eine realistische Perspektive sieht. Positive Nachrichten kämen aus Irland.

Dort würden Unterstützungszahlungen für die Landwirte unter anderem daran gekoppelt, dass sich der Bauer von einem Archäologen beraten lässt und sich an dessen Empfehlungen hält.

"In Deutschland ist das bislang weitgehend Zukunftsmusik."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen