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Branche fordert Landeszuschuss für Landschaftspflege : Schäfer in Not: Betriebe zahlen drauf

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Zielsicher treibt Riko Nöller seine 300 Schafe auf eine Brücke zu. Zwei Hütehunde unterstützen ihn tatkräftig. Die sorgen dafür, dass die Tiere, je näher sie dem Hindernis kommen, immer enger aneinanderrücken.

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erstellt am 26.Aug.2013 | 12:10 Uhr

Lohmen | Zielsicher treibt Riko Nöller in traditioneller Schäfertracht seine 300 Schafe auf eine improvisierte Brücke zu. Zwei Hütehunde unterstützen ihn tatkräftig. Die sorgen dafür, dass die Tiere, je näher sie dem Hindernis kommen, immer enger aneinanderrücken. Nach wenigen Minuten ist es geschafft. Alle 300 Schafe befinden sich auf der anderen Seite des Parcours. Eine Jury hat alles ganz genau beobachtet und verteilt Punkte.

Bei insgesamt fünf Wettbewerbskriterien konnten es am Samstag bei der Landesmeisterschaft in Lohmen (Landkreis Rostock) nach rund einer Stunde konzentrierter Hütearbeit 115 Punkte sein. "Das hat, glaube ich, noch nie einer geschafft", sagt Nöller. Mit 112 Punkten kann er jedoch seinen Titel als Hütemeister verteidigen. Der 45-Jährige hat den Landeswettbewerb wiederholt gewonnen und ist anschließend bei den Bundesmeisterschaften dreimal hintereinander Vizemeister geworden.

Doch so richtige Freude will darüber nicht aufkommen. Die noch etwa 60 Berufsschäfer im Land wirtschaften seit Jahren am Rande des Existenzminimums. Wenig eigene Flächen, immer teurer werdende Pachten, dazu vergleichsweise geringe Erlöse für das Lammfleisch veranlassen immer mehr Schäfer, ihren Job aufzugeben. "In der Folge ist auch die Zahl der Mutterschafe ständig gesunken.

Derzeit werden landesweit nur noch 60 000 gehalten. Vor zehn Jahren waren es fast doppelt so viele", rechnet Landeszuchtleiter Sven Grumbach vor. Und er macht auf die Folgen aufmerksam: So fehlen bereits heute Herden, um Aufgaben in der Landschaftspflege zu erfüllen. Weil in Naturschutzgebieten und auf immer mehr Grünlandflächen kaum Technikeinsatz möglich ist, kommen dort zur Bewuchsregulierung traditionell Schafe zum Einsatz. "Die Landesregierung lobt sich für ihre Erfolge im Tourismus, verweist auf die herrliche Landschaft, hat aber für deren Pflege durch die Schäfer kaum einen Cent übrig", beklagt Grumbach. Alle Versuche, das in Gesprächen sowohl mit dem Landwirtschafts- als auch dem Wirtschaftsministerium zu ändern, seien bislang gescheitert. Nach Vorstellungen des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes sollten die Schäfer für jedes gehaltene Tier einen jährlichen Zuschuss von 20 Euro erhalten. So könnten Kosten gedeckt werden, die unter anderem beim Umtreiben der Herden in schwer zugängliche Weidegebiete entstehen.

Die Erlöse, die aus dem Verkauf von Schlachttieren erzielt werden, decken derzeit die finanziellen Aufwendungen der Schäfer nach Aussage des Zuchtleiters nur zu 40 Prozent. "Deshalb muss es bei Beibehaltung der Landschaftspflege ein gesamtgesellschaftliches Interesse sein, einen Anteil zu den verbleibenden 60 Prozent aus öffentlichen Mitteln beizusteuern", so Grumbach. Und die Zeit drängt. Weil viele Schäfer bei ihrer Arbeit draufzahlen, findet sich kaum beruflicher Nachwuchs. "Setzt sich die Tendenz fort, dann wird es in 20 Jahren kaum noch einen Schäfer in Mecklenburg-Vorpommern geben", befürchtet der Vorsitzende des Landeschaf- und Ziegenzuchtverbandes, Jürgen Lückhoff.

Für Schäfermeister Riko Nöller brachte das Leistungshüten das gewünschte Happy End. Der Schäfermeister konnte sich nunmehr bereits zum zehnten Mal in Folge gegen seine diesmal fünf Herausforderer durchsetzen und hat sich damit für den Bundesentscheid in 14 Tagen in Brandenburg qualifiziert. 2014 soll die Deutsche Meisterschaft in Lohmen stattfinden. "Wir freuen uns darauf und werden alles optimal vorbereiten", so Bürgermeister Bernd Dikau.

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