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Gravierende Veränderungen in der Ostsee erwartet : Sardinen statt Dorsch in der Ostsee

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Weil sich die Klimazonen nach Norden verschieben, könnte laut Meeresökologen bald unser Speiseplan exotischer werden. So sind südliche Fische wie Sardelle, Sardine oder Dorade drauf und dran, die Ostsee zu erobern.

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2013 | 07:58 Uhr

Kiel/Rostock | Fische aus südlichen Gefilden machen sich in nördlichen Gewässern breit, weil diese wärmer werden. Sardinen könnten die Ostsee erobern, der Dorsch verschwinden. Wolfgang Schmidt fragte nach beim Ökologen Thorsten Reusch vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Wird die Ostsee zur neuen Heimat von Speisefischen, die wir eher aus dem Urlaub in Spanien kennen?

Thorsten Reusch: Wir müssen unterscheiden zwischen Irrgästen, die wie Zugvögel vom Kurs abkommen. Das gilt etwa für Mondfische, die wir am Eingang der Ostsee gesehen haben. Oder für Schwertfische, die vor Jahren im Kattegatt zwischen dänischer und schwedischer Küste auftauchten. Aber einige Arten ändern generell ihre Verbreitung.

Welche sind das, und worin liegen die Ursachen?

Sardelle, Sardine, Dicklippige Meeräsche, Rote Meerbarbe und Dorade kommen mehr und mehr um Jütland herum in Richtung Ostsee, weil sich die Klimazonen nach Norden schieben. Hiesige Meere haben sich seit 1860 dreimal schneller erwärmt als der Rest, um 1,5 Grad. Diesem Signal folgen Fische. Noch gibt es dazu wenige Untersuchungen. Wir sind beteiligt an einem Projekt mit Instituten aus sieben Ländern, das mit vier Mio. Euro ausgestattet ist.

Was bedeutet die Erwärmung für heimische Arten in der Ostsee?

Als Speisefische dominieren hier ja Sprotte, Hering und Dorsch, dazu Scholle und Flunder. Der Dorsch könnte nach Norden in Richtung Arktis auswandern: Er braucht kaltes Wasser von zehn Grad und weniger. Es ist möglich, dass die Ostsee in 100 Jahren ohne Dorsch sein wird, dafür mit Sardellen, Anchovis, Doraden. Die Sprotte wird bleiben und vielleicht zunehmen, weil sie es wärmer mag. Beim Hering ist eine Prognose schwieriger, aber er wird sich wohl halten.

Wie werden sich die Veränderungen auf die Fischerei auswirken?

Wir werden sehen. Die Neuankömmlinge können wirtschaftlich genutzt werden. Ich erwarte, dass sie irgendwann befischt werden und das sollen sie auch - aber nachhaltig, also ressourcenschonend. Übrigens: Die Ostsee mit ihrem derzeitigen Salzgehalt existiert erst seit 6000 Jahren. Im Grunde sind also alle Fische hier "Neubürger".

Gibt es außer dem Klimawandel weitere Ursachen für Migrationen?

Die Schwarzmundgrundel kam über Kanäle aus dem 3000 Kilometer entfernten Kaspischen Meer. Sie mischt hier die gesamte Küstenfischfauna auf und hat im Nord-Ostsee-Kanal eine ordentliche Population aufgebaut. Dieser Fisch ist ein Nahrungskonkurrent für heimische Arten. Welche Folgen der gesamte Wandel haben wird, müssen wir abwarten.

Beim Fußball kann es super funktionieren, wenn ein Trainer mal sechs Spieler auswechselt. Es kann aber auch in die Hose gehen.

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