Kaputte Elbbrücke Lauenburg : Sanierung am Sankt-Nimmerleins-Tag

Lauenburgs Elbbrücke hat seit vielen Jahren schwer zu tragen, Pkw, Lkw und  Züge haben ihr in 61 Jahren stark zugesetzt. Foto: Dirk Rohde
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Lauenburgs Elbbrücke hat seit vielen Jahren schwer zu tragen, Pkw, Lkw und Züge haben ihr in 61 Jahren stark zugesetzt. Foto: Dirk Rohde

Im Jahr 2008 überraschte die Bahn AG mit der Erkenntnis, dass die Lauenburger Elbbrücke saniert werden müsste. Und so keimte bei Anwohnern der Hafenstraße und betroffenen Verkehrsteilnehmern Hoffnung auf.

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13. Juni 2012, 02:28 Uhr

Lauenburg | Im Jahr 2008 überraschte die Bahn AG mit der Erkenntnis, dass die Lauenburger Elbbrücke saniert werden müsste.

Und so keimte bei Anwohnern der Hafenstraße und betroffenen Verkehrsteilnehmern die Hoffnung auf, es könnte durch einen Neu- oder Umbau der Elbquerung eine grundlegende Änderung der Verkehrssituation im Nadelöhr Lauenburg geben. Doch vier Jahre später folgt nun die Ernüchterung. Der Durchgangsverkehr bleibt auch weiterhin auf Schleichfahrt, und der Wunsch nach einer Umgehung steht im Stau.

Bahn und Land SH sehen keinen Handlungsbedarf

Eigentümer der Brücke ist die Deutsche Bahn AG, die im Februar 2008 die Stadt Lauenburg lapidar über die zeitweise Sperrung der Brücke informierte. Hintergrund war die altersbedingte, mangelnde Tragfähigkeit der Konstruktion die eine gleichzeitige Belastung von Güterzügen und Lkw-Verkehr nicht mehr verkraften konnte. Korrosion und Spannungsüberschreitungen machten eine einseitige Ampelregelung in Richtung Niedersachsen notwendig, die für den Straßenverkehr auf Rot schaltete wenn Güterzüge die Brücke passierten. Nun, vier Jahre später, hatte die Bahn AG endlich ein Einsehen und leitet seit Mai Güterzüge über Hamburg-Maschen um, die Ampelregelung ist aufgehoben aber es bleibt bei Tempo 30.

"Es gibt keinen unmittelbaren Handlungsbedarf", so die Pressestelle der Bahn, "die Brücke kann genutzt werden". So weit, so gut, doch die einzige feste Elbquerung zwischen Geesthacht und dem 115 Kilometer entfernten Dömitz wird auch von der Landesregierung Schleswig-Holsteins eher zurückhaltend behandelt. Die Zuständigkeit des Landes resultiert aus der kombinierten Schienen-Straßennutzung der Brücke und natürlich aus der umgebenden Verkehrsinfrastruktur.

Für Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede liegt eine kurzfristige und praktikable Lösung in einer Umgehung des Brückenzubringers B 209 über das Industriegebiet östlich des Elbe-Lübeck Kanals auf der Hand. "Es finden regelmäßig Gespräche zwischen der Bahn und dem Land statt", erklärt Bürgermeister Thiede, "auch unsere Meinung wird gehört. Aber wer mitreden will, muss sich auch an den Kosten beteiligen". Bauamtsleiter Reinhard Nieberg ergänzt "wir haben einen konkreten Vorschlag für die Umgehung Industriegebiet, das ist sicher nicht einfach umzusetzen, aber dafür sind wir ja da. Allerdings können wir nicht mehr tun, als Vorschläge zu machen. Wenn es um Geld geht, sind wir raus."

Landesregierung in Kiel bleibt gelassen

Während sich Bürgerinitiativen, Speditionen und Pendler über die Verkehrssituation ärgern, bleibt die Landesregierung in Kiel gelassen und sieht keinen Handlungsbedarf.

Wie aus einer kleinen Anfrage des Abgeordneten Olaf Schulze (SPD, MdL) an die Landesregierung hervorgeht, sind im Zuge der Brückensanierung keine strukturellen Änderungen an der Verkehrsführung durch den Flaschenhals Lauenburg geplant. In der Antwort heißt es "Für die Region Lauenburg wurde mit der Sperrung der B5 für den Schwerlastverkehr bereits eine verkehrliche Entlastung erreicht". Weiter heißt es: " Im Vergleich zu vordringlichen Projekten in Schleswig Holstein ist eine kurzfristige Realisierung (einer Umgehung, Anmerkung der Redaktion) für Lauenburg, auch in Teilbereichen nicht darstellbar". In dem Antwortschreiben wird lediglich auf eine große Lösung einer Nordumgehung verwiesen, die aber noch Lichtjahre vom tatsächlichen Bedarf entfernt sein dürfte und so bleibt vorerst alles, wie es ist.

Bis 2015 eine Zunahme des Güterverkehrs

In ihrer 61-jährigen Geschichte hat die Elbbrücke Lauenburg als Verbindung der Länder Schleswig Holstein, Niedersachsen und seit 1989 Mecklenburg Vorpommern eine enorme Steigerung des Verkehrs erfahren.

Bis 2015 ist nach der Bundesverkehrswegeplanung eine Zunahme des Güterverkehrs von nahezu 74 Prozent und etwa 20 Prozent des Pkw-Aufkommens im Bundesdurchschnitt zu erwarten. Eine schwindelerregende Prognose. Wie lange die geplante Sanierung und Verstärkung der Stahlkonstruktion und die derzeitige Infrastruktur dem künftigen Verkehr gewachsen sein wird, bleibt jedoch abzuwarten und lässt sich mit etwas Phantasie jetzt schon erahnen.

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