Ehrenamtlernetzwerk gibt nach 16 Jahren auf : Sang- und klangloser Abschied

Karin Gruhlke wurde gestern für ihre Verdienste um den Club am Südring und das Ehrenamt in Parchim mit dem Eintrag in das Goldene Buch geehrt. Bürgermeister Dirk Flörke (M.) und der für Schulen und Soziales zustände Fachbereichsleiter Dirk Johannisson gratulieren.
Karin Gruhlke wurde für ihre Verdienste um den Club am Südring und das Ehrenamt in Parchim mit dem Eintrag in das Goldene Buch geehrt. Bürgermeister Dirk Flörke (M.) und der für Schulen und Soziales zustände Fachbereichsleiter Dirk Johannisson gratulieren.

Nach 16 erfolgreichen Jahren stellt das landesweite Netzwerk freiwilliges Engagement seine Arbeit ein

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29. Dezember 2016, 05:00 Uhr

Nach 16 Jahren ist Schluss: Das Netzwerk freiwilliges Engagement, das in besten Zeiten knapp 600 Mitglieder aus dem ganzen Land zählte, wird am letzten Tag dieses Jahres die Ehrenamtsbühne verlassen. „Natürlich werden wir noch den Jahresabschluss machen, und wir müssen auch noch eine Mitgliederversammlung einberufen, um den Vorstand zu entlasten“, erklärt Netzwerk-Vorsitzende Karin Gruhlke. Noch vor Weihnachten habe man sich aber bereits von Mitstreitern und Unterstützern verabschiedet. „Sang- und klanglos und unspektakulär“, sagt Karin Gruhlke – und erzählt dann doch, wie sehr den Mitgliedern die emotionale Abschlussveranstaltung nahegegangen sei.

Dabei war es ein Abschied auf Raten: Schon die Ankündigung von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), eine Ehrenamtsstiftung ins Leben rufen zu wollen, ließ bei Karin Gruhlke und ihren Mitstreitern vor mehr als zwei Jahren die Alarmglocken schrillen. Denn was nach und nach über die künftigen Aufgaben der Stiftung verlautete, deckte sich weitgehend mit dem, was das Netzwerk bereits seit Jahren anbot: die Beratung und Weiterbildung von ehrenamtlich tätigen Vereinen und Initiativen, ihre Vernetzung, die Schaffung von Anerkennungsformen für freiwilliges Engagement, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für das Ehrenamt und vieles andere mehr.

Trotzdem, so Gruhlke, habe das Netzwerk auf Bitten der Staatskanzlei hin Kontakte und Konzepte an das Vorbereitungsteam der Stiftung weitergegeben – in der Hoffnung, als gleichberechtigter Partner in die Gründung einbezogen zu werden. Schließlich sei ja auch das Netzwerk vom Land gefördert worden – mit 40 000 Euro jährlich, die für Miete, Sach- und Referentenkosten, allerdings nie für eine hauptamtliche Stelle ausgereicht hätten.

Doch die Hoffnung der Netzwerker erfüllte sich nicht. Zum 1. Juli 2015 ging die Ehrenamtsstiftung an den Start – ohne dass es bis dahin zu einem persönlichen Kontakt gekommen war, und mit einer Ausstattung, von der das Netzwerk nur träumen konnte: 1,4 Millionen Euro Jahresetat, wovon allein 480 000 Euro in die Geschäftsstelle der Stiftung mit acht hauptamtlich Beschäftigten flossen. „Das hat uns sehr aufgebracht“, gesteht Karin Gruhlke, die das, wie auch andere Netzwerker, nicht zuletzt als Abwertung ihres eigenen Engagements auffasste. „Denn für uns war die Arbeit im Netzwerk tatsächlich ein weiteres Ehrenamt, zusätzlich zu denen, die wir sowieso schon innehatten.“

Dennoch hielt sich die Netzwerk-Vorsitzende lange mit öffentlicher Kritik zurück – bis der NDR sie im Juni zum einjährigen Gründungsjubiläum der Ehrenamsstiftung um eine Stellungnahme bat.

„Dass wir uns kritisch geäußert haben, ist uns nicht gut bekommen“, fasst Karin Gruhlke die Reaktionen darauf zusammen. Sie sei persönlich angegriffen und der Lüge bezichtigt worden, sagt sie – und das habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Enttäuschung sei einfach zu groß. Vor Gründung der Stiftung sei immer beteuert worden, dass bestehende Strukturen nicht angetastet werden sollten. Doch das Netzwerk sei nun überflüssig geworden. „Das Sozialministerium hat uns geraten, uns andere Aufgaben zu suchen, nach Nischen zu schauen. Aber wie sollen wir das machen? Wir sind ja tatsächlich ,nur‘ Ehrenamtler…“

Als solche ist Karin Gruhlke übrigens Anfang Dezember vom Ministerpräsidenten ausgezeichnet worden – für mehr als 50 Jahre bürgerschaftliches Engagement in verschiedenen Bereichen. Vielleicht hat das dazu beigetragen, dass sie „inzwischen ohne Groll geht“, wie sie sagt. Ehrenamtlich tätig sein wird die Parchimerin auf jeden Fall weiter, vor allem im Bürgerkomitee Südstadt und seinem Jugend- und Familienzentrum.

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