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Gebrauchte Textilien : Sammeln für den guten Zweck

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Menschen im Nordosten geben jährlich mehr als 3000 Tonnen Textilien in die Altkleider-Sammelcontainer sozialer Organisationen

Für Tausende Jeans, Röcke und T-Shirts sind sie die vorläufige Endstation: die Kleider-Sammelcontainer sozialer Organisationen wie DRK und Diakonie. In Mecklenburg-Vorpommern werden jährlich mehr als 3000 Tonnen gebrauchte Textilien eingeworfen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Der mit Abstand größte Sammler ist das Deutsche Rote Kreuz. Nach Angaben des DRK-Landesverbandes wurden im vergangenen Jahr rund 2550 Tonnen Altkleider zu den 659 Containern gebracht. Das sei etwas mehr gewesen als 2012, wie DRK-Landesvorstandsmitglied Jan-Hendrik Hartlöhner sagte.

Gesammelt werde aus zwei Gründen. „Gut erhaltene Kleidung wird aufgearbeitet und in den 43 Kleiderkammern im Land an Bedürftige verteilt“, so Hartlöhner. Im vergangenen Jahr hätten 105 340 Menschen dort Sachen bekommen. Ein anderer Teil der Alttextilien werde an Verwertungsfirmen verkauft. Diese wiederum verkaufen die Teile ins In- und Ausland bis nach Afrika. Rund 20 Prozent der Ware wird recycelt und zu Dämmstoffen oder Füllmaterial verarbeitet, wie der DRK-Bundesverband im Internet erklärt. Die Erlöse fließen Hartlöhner zufolge in soziale Projekte wie die Schuldner- und Insolvenzberatung. Wie hoch die Erlöse in Mecklenburg-Vorpommern sind, konnte er nicht sagen, denn die DRK-Kreisverbände seien rechtlich selbstständig.

Die Sammelcontainer des zum Diakonischen Werk gehörenden Kloster Dobbertin mit seinen Behindertenwerkstätten stehen in Schwerin, Waren, Malchow, Parchim und Goldberg. Produktionsleiter Martin Strauß schätzt, dass jährlich etwa 300 Tonnen Alttextilien auf diese Weise eingesammelt werden. Sortiert und aufbereitet werden sie von 14 Behinderten in Dobbertin (Landkreis Ludwigslust-Parchim). „Die Altkleidersammlung ist ein wichtiger Arbeitsbereich in unseren Werkstätten“, sagte Strauß. „Wir sortieren und sammeln Altkleider, Schuhe, Bücher, Spielwaren und ähnliche, wiederverwendbare Gebrauchssachen. Die Spenden werden nach der Sortierung und der Reinigung im Second Hand Shop in Dobbertin zu moderaten Preisen verkauft.“ Was nicht mehr zu verwenden ist, werde zu Putzlappen verarbeitet und Firmen in der Region angeboten.

„Textilen, die darüber hinaus keine Verwendung mehr finden, verkaufen wir an Partnerunternehmen. Sämtliche Erlöse fließen ausschließlich in die Beschäftigungsentgelte der behinderten Menschen ein“, sagte Strauß. Die eingesammelten Mengen seien über die Jahre etwa gleich, aber die Qualität werde schlechter. „Daraus ist zu schließen, dass die Menschen preisgünstiger einkaufen und ihre Kleidung länger tragen.“

Auch die Malteser sammeln in eher kleinem Umfang – allerdings nicht selbst, wie Sprecherin Sabine Wigbers sagte. „Wir wären nicht in der Lage, die Sachen zu verwerten und zu verteilen.“ Deshalb werde mit Unternehmen zusammengearbeitet: Auf den Sammelcontainern steht der Name der Malteser, dafür bekommen sie einen Erlösanteil, wie Wigbers erläuterte. Ein Teil der Altkleider werde industriell verarbeitet, etwa für Autositze. Anderes werde in Deutschland, nach Osteuropa oder Afrika verkauft. Den Erlösanteil bekomme der Malteser Hilfsdienst e.V. für seine kostenlos angebotenen Leistungen, wie Hospizarbeit oder Besuchsdienste. Standorte der Malteser-Sammelcontainer sind Wigbers zufolge in Mecklenburg Rostock, Wismar und Waren.

Der Export von Altkleidern nach Afrika war vor einiger Zeit umstritten, weil er im Verdacht stand, der lokalen Textilindustrie dort zu schaden. Das Netzwerk FairWertung kommt nach Untersuchungen jedoch zu einem durchaus positiven Ergebnis. Demnach ist Secondhand-Kleidung aufgrund der geringen Kaufkraft in vielen afrikanischen Ländern nicht wegzudenken. Außerdem gebe es kein ausreichendes und erschwingliches Bekleidungsangebot aus lokaler Produktion, heißt es auf der Internetseite der Organisation. Der Handel mit Gebrauchtkleidung verschaffe vielen Arbeit und Einkommen. Auch zahlreiche Schneiderinnen und Schneider in Afrika lebten vom Umarbeiten der Gebrauchttextilien.

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