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Staatstheater Schwerin : Salome verzaubert Publikum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stürmischer Applaus im Staatstheater für eine aufregende Sicht auf die Oper von Richard Strauss

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Das Staatstheater Schwerin feierte im Großen Haus ein Fest der Stimmen und des Orchesterklanges. Nicht die Schönheit des Belcanto, eher das Bad der Stimmen in der Opulenz des Instrumentalklanges. Es ging um die Oper »Salome«, die Richard Strauss 1905 nach dem Drama von Oscar Wilde komponierte. Jene Oper, der ein bis dahin nicht gehörtes Ausmaß an Dissonanzen, an schierer musikalischer Kakophonie nachgesagt wurde. Am Freitagabend hatte sie in einer Inszenierung von Kornelia Repschläger im Großen Haus Premiere und wurde vom Publikum mit Jubel und langem stürmischen Applaus angenommen.

Es geht um ein Fest des Herodes, Tetrarch von Judäa, das er mit Juden und Nazarenern feiert zu einer Zeit, da Jesus als Prediger durchs Land zieht. Der von ihm kündete, Johannes der Täufer (Jochanaan), den hält Herodes in einer Zisterne gefangen. Salome, Tochter der Herodias, der Gattin des Herodes, hört des Propheten Stimme aus der Zisterne. Sie geht ihr nahe, sie elektrisiert sie, bringt ihre Sehnsucht nach Liebe zum Glühen. Doch der Prophet widersetzt sich ihr. Da gerät ihre Welt aus den Fugen. Sie tanzt vor ihrem Stiefvater Herodes um des Jochanaan Kopf.

Alexandre Corazzola richtet die Vorbühne wie eine kleine Arena ein, in die die Personen von rechts und links hinabsteigen. Kämpfen sie gegeneinander, umeinander? Ein riesiges kreisrundes Feld in der schwarzen Rückwand gibt den Blick in den Bühnenraum frei. Wie ein Symbol für den Mond, von dem so viel gesungen wird. Dahinter laufen Boden und Decke mit scheinbar endlos sich ineinanderschlingendem Motiv aufeinander zu. Unausweichliche Katastrophe? Ein ebenso klug wie apart gebauter Raum.

Darin zeigt die Regisseurin eine Prinzessin Salome, die alles hat und alles darf. Doch bei Jochanaan stößt ihre Welt an eine Grenze, die beide verändert. Den Propheten für einen Moment, Salome bis in ihr Innerstes. Interessant ist, dass Salome im Tanz nicht sich entschleiert, sondern die Welt um sie herum. Ein aufregender Dreh der Geschichte!

Ebenso konsequent führt die Regie den Kopf des Jochanaan nicht als bluttriefende Beute vor, sondern als silberne Büste auf silbernem Teller. Auch den verruchten Kuss gibt es nicht. Es ist mehr noch, was da geschieht mit Salome an dem silbernen Symbol des Propheten. Man sieht es nicht, man kann es sich ausmalen. Dies alles bringt GMD Daniel Huppert mit den Musikern der Staatskapelle und Gästen in flirrendem, betörendem musikalischen Gewand dar. Er ordnet die opulente Partitur so, dass die Stimmen gut hörbar vom Orchester getragen werden, ohne dass die Musik etwas von ihrem Rausch verliert. Mit feinem Gespür puscht er die Höhepunkte im Orchester dann, wenn man den Ausgang der gesungenen Phrase bereits vorausahnt, als hörte man die Stimme tatsächlich noch.

Die Königin des Abends ist Karen Leiber als Salome. Ihr wundervoller Sopran setzt sich bravourös gegen den Orchesterklang durch. Und nach dramatischen Exzessen vermag sie auch gegen Ende noch zart und schön zu singen. Der Tenor Peter Svensson brilliert als Herodes mit einer Palette von graziler Leichtigkeit bis zu schneidender Schärfe. Dagegen spielt Mark Morouse mit kraftgeladenem Bariton die Unwandelbarkeit des Jochanaan aus. Die Herodias bekommt von Ruth-Maria Nicolay überzeugend den Charakter der giftenden Gattin. Eine Aufführung, die man gehört und gesehen haben muss!

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