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Interessengemeinschaft : Saisonstart für die Kröten-Retter

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Seit 1995 gibt es im Frühjahr an der Kreisstraße 5 bei Gneven immer das gleiche Bild: Kröten werden über die Straße getragen. Die Gnevener und Vorbecker Naturfreunde brachten ihren neuen Krötenzaun auf Hochglanz.

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erstellt am 18.Mär.2012 | 07:01 Uhr

Gneven | Seit 1995 gibt es im Frühjahr an der Kreisstraße 5 bei Gneven immer das gleiche Bild: Kröten werden über die Straße getragen. Start für die Aktion war in diesem Jahr Ende Februar. Die Gnevener und Vorbecker Naturfreunde brachten ihren neuen Krötenzaun auf Hochglanz. Laub und Gehölz wurden von zehn Leuten entfernt und die Eimer eingesetzt, um der beginnenden Krötenwanderung freie Bahn zu schaffen.

Die erste Woche hatte die Familie von Matthias Bohs Tragedienst. Er gehört zu den Gründern der Interessengemeinschaft Amphibienzaun Gneven vor 17 Jahren. "Damals siedelten sich viele Leute hier an, der Verkehr nahm zu und wir sahen im Frühjahr die toten Frösche auf der Straße", erinnert sich Matthias Bohs. "Die kann man doch nicht einfach platt machen, haben wir uns gesagt und mit zwei Familien begonnen, den Tieren zu helfen."

Inzwischen besteht die Interessengemeinschaft aus 16 Familien aus den Gemeinden Gneven/Vorbeck und Pinnow. In den vergangenen 17 Jahren haben sie insgesamt mehr als 20 000 Amphibien über die Straße zu den Laichgewässern geholfen. Geleitet wird die Naturschutzgemeinschaft immer noch durch Edeltraud und Matthias Bohs. Sie arbeiten die Pläne aus, nachdem jede Familie eine Woche lang die Verantwortung für die Kröten trägt und die Tiere sicher über die Straße bringt. In der vergangenen Woche waren Ellen Paulenz und Detlef Mühlke an der Reihe. 177 Kröten haben sie insgesamt gerettet und in die Laichgewässer gesetzt, am 13. März allein 40 Stück. Acht Grad Celsius zeigte das Thermometer damals und es war feucht. Aber sie haben auch tote Kröten gezählt, 15 allein am Sonnabend.

"Wir haben in diesem Jahr bereits mehr Kröten über die Straße getragen als im vergangenen Jahr. Der neue Zaun bewährt sich", sagt Matthias Bohs. "Das Straßenbauamt hat die Anlage mit etwa 100 000 Euro als eine Ausgleichsmaßnahme des Autobahnbaus A 14 errichtet. Der neue stationäre Zaun ist etwa 650 Meter lang und auf beiden Seiten der Straße errichtet. "Mit unserer alten mobilen Anlage, einem Folienzaun, konnten wir nur im Frühjahr helfen, für das Aufstellen des Zauns im Sommer auf der anderen Straßenseite fehlte uns in der Urlaubszeit die Kraft", sagt Bohs. "Dass die Zahl der Frösche, die wir über die Straße tragen in diesem Jahr wieder zunimmt, ist umso erstaunlicher, weil in den Zaun ein Tunnel eingebaut wurde, den auch viele Kröten nutzen, die wir ja gar nicht zählen können."

Jeder der Naturschützer hat seine eigene Froschgeschichte. Erzählt werden sie meist im Spätsommer, beim "Froschfest", wenn der Fisch frisch aus dem Rauch kommt, Bier und Wein die Gedanken beflügeln. "Mich fragte mal jemand, ob die Frösche nicht eklig seien", sagt Detlef Mühlke. "Sie sind weich und kühl, haben eine seidige Haut, habe ich geantwortet. Und meine Frau küsst sie jedes Mal, weil sie hofft, so an einen schönen Prinzen zu kommen."

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