Dank an Volkspolizisten : „Sag mir, wo du stehst...“

23-19056394.JPG

Ausstellung über die Rolle der Volkspolizei in der Wende 1989 / Streit um Ehrung durch die Linken im Landtag

23-11368462_23-66108196_1416392793.JPG von
30. Juni 2015, 21:00 Uhr

Die Ehrung der DDR-Volkspolizei durch die Linken im Landtag sorgte auch gheute für heftige Diskussionen. „Die Genossen Polizisten, die sich zum größten Teil mit der Drangsalierung und Schikanierung der Normalbürger befassten, werden heute wieder gefeiert. Es ist mir einfach zu hoch“, schreibt ein Nutzer auf unserer Facebook-Seite. Ein anderer meint: „Ich habe es als Volkspolizist in Güs-trow miterlebt und es war gut so wie es abgelaufen ist.“

Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Peter Ritter, hatte am Montag mit einer Pressemitteilung die Kontroverse im Land ausgelöst: „Angehörigen der Deutschen Volkspolizei gebühren Dank und Anerkennung.“ Es sei jetzt an der Zeit, daran zu erinnern, dass den Volkspolizisten „ein entscheidendes Verdienst für den Frieden im Einigungsprozess zuzurechnen ist“.

Ähnlich hatte sich zuvor der letzte DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel geäußert. Der Volkspolizei sei es zu verdanken, dass nicht geschossen wurde und die Revolution friedlich blieb.

Die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Anne Drescher, warf Diestel vor, die Rolle der Volkspolizei in der Wendezeit zu verdrehen. Diestel übersehe, dass die Volkspolizei bis zum Ende in das System der Herrschaftssicherung und der Verfolgung von Oppositionellen eingebunden war. Der Dank gebühre einzig und allein den Demonstranten, die friedlich mit Kerzen auf den Straßen protestiert hätten. Drescher erinnerte an Film- und Fotodokumente, auf denen eindeutig belegt sei, dass Volkspolizisten auf friedlich Demonstrierende mit Schlagstöcken losgegangen sind.

Derzeit wird im Foyer der Schweriner Polizeiinspektion die Wanderausstellung „Sag’ mir wo du stehst..“ öffentlich gezeigt, die über die ambivalente Rolle der Volkspolizei während der Wende informiert. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit des Polizeipräsidiums Rostock, der Stasi-Unterlagen-Behörde und der Landeszentrale für politische Bildung und ist noch bis September in Schwerin zu sehen. Zuvor wurde sie in Rostock und Güstrow gezeigt.

Die Volkspolizei war bis zum November 1989 ein wichtiges Instrument zur Absicherung der Diktatur, heißt es dort. Später wurde die Polizei zunehmend ein Sicherheitspartner im Umbruch. Sie entwaffnete beispielsweise die Mitarbeiter des Amtes für Nationale Sicherheit, die Stasi-Nachfolge-Organisation, und sicherte die vielen Demonstrationen ab.

„Es ist aber nicht der Hauptverdienst der Volkspolizei, dass sie im Herbst 1989 nicht auf Demonstranten geschossen hat. Es gab damals dafür einfach keine Befehle“, erklärte gestern Volker Höffe, einer der Initiatoren der Ausstellung. Nach der Leipziger Demonstration am 9. Oktober 1989 mit 70 000 friedlichen Demonstranten habe sich die DDR-Führung gegen eine gewaltsame Lösung entschieden, so der Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen