Gezwitscher verstummt : Sag mir, wo die Vögel sind...

Im Garten der Naturschutzstation in Schwerin notiert Ulf Bähker die Zahl der gesichteten einheimischen Vögel.
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Im Garten der Naturschutzstation in Schwerin notiert Ulf Bähker die Zahl der gesichteten einheimischen Vögel.

Plötzlich sind Spatz und Co. aus dem Garten von Winfried Holzlehner verschwunden

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13. Februar 2018, 12:00 Uhr

Und plötzlich waren sie weg. Unser Leser Winfried Holzlehner ist verwundert. Den ganzen Winter über haben seine Frau und er die Vögel in ihrem Garten in Güstrow gefüttert. Aus dem Küchenfenster konnte das Ehepaar das bunte Treiben der Tiere beobachten. Zwischen 10 und 15 Spatzen und Meisen nahmen das Futterangebot gerne an. Auch Amseln wurden angelockt. Doch seit Januar ist das Gezwitscher verstummt, das Futterhäuschen verwaist. „Jetzt sind alle weg“, bedauert Holzlehner. „Den Nachbarn geht es ähnlich.“ Doch wo sind sie hin, die Vögel?

Wir haben beim Ornithologen Ulf Bähker der Nabu-Station in Schwerin nachgefragt. Der Vogelexperte kennt das Problem. Auch in seinem Garten war vor kurzem die Schar an Haussperlingen von heute auf morgen plötzlich verschwunden. Nach ein paar Tagen kamen sie jedoch zurück. „Manchmal ist es einfach so, dass sich woanders eine super Futterquelle auftut und sich die Vögel mehr auf die Gärten verteilen“, meint Bähker. Doch ob auch das auch bei Familie Holzlehner der Fall ist, könne er aus der Ferne nicht beurteilen.

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Um zu beurteilen, wie es den Gartenvögeln geht, ruft der Nabu zweimal jährlich zum Vogelzählen auf. Mehr als 3000 Menschen beteiligten sich an der diesjährigen Stunde der Wintervögel in MV. So viele wie noch nie. Insgesamt wurden hier etwa 90  000 Vögel gemeldet, über 10  000 mehr als im Vorjahr.

Die gute Nachricht: Pro Garten gerechnet, gab es bei der Aktion sogar zwölf Prozent mehr Vögel als im Vorjahr. Vor allem Arten, die sich 2017 rar gemacht hätten, seien wieder zurück. Allen voran verschiedene Meisen, aber auch Kleiber, Buntspecht und Kernbeißer. Die schlechte Nachricht: Insgesamt gehe die Zahl der gemeldeten Wintervögel im langjährigen Trend zurück. So wurden in diesem Jahr knapp 39 Vögel pro Garten gesichtet. Bei der ersten Zählung 2011 waren es noch 46.

Den Titel als häufigster Wintervogel verteidigte bundesweit der Haussperling. In MV folgen ihm Feldsperling und Kohlmeise. Deutlich weniger gesichtet wurden Buchfink, Wacholderdrossel, Erlenzeisig und Goldammer. „Sie fanden vermutlich außerhalb der Gärten noch genügend Nahrung“, sagte Bähker. Dagegen handele es sich bei Wacholderdrosseln und Erlenzeisigen um klassische Wintergäste, die möglicherweise noch nicht im gewohnten Maße aus dem hohen Norden zugereist waren.

Dabei ginge es den Gartenvögeln noch gut, schätzt Ulf Bähker. Vor allem Feld- und Wiesenvögel hätten es durch die Wetterbedingungen und das Insektensterben schwer. Die Vögel scheinen verwirrt. Am 6. Februar kam der erste Storch zurück nach Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 1000 Kraniche aus dem Land machten sich erst gar nicht auf in den warmen Süden. „Das ist die Reaktion auf die aktuellen Gegebenheiten“, schätzt Ulf Bähker. „Der Klimawandel kommt schneller als gedacht.“ Auch die kleine Mönchsgrasmücke überwintere zum Beispiel immer häufiger auf den Britischen Inseln, statt wie eigentlich im Mittelmeerraum. „So sparen die Vögel Zugstrecke“, meint der Ornithologe .

Für die Tiere sei es sehr attraktiv, in der Nähe ihrer Brutplätze zu bleiben. So könne es auch sein, dass Zugvögel früher zurückkehren, wenn der milde, schneefreie Winter ihnen entgegenkommt. Kälte mache den Tieren wenig aus, erklärt der Ornithologe. „Alles steht und fällt mit dem Futterangebot.“

Richtig füttern – so gehts

Die Vögel finden nun kaum Futter und verbrauchen trotzdem viel Energie, um ihre Körpertemperatur  gegen die Kälte der Umgebung aufrechtzuerhalten.

Welcher Futterspender?

Wählen Sie Futterspender, bei denen die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können. So minimieren Sie  Ausbreitung von Krankheiten. Am besten verwenden Sie Futtersilos, da hier das Futter nicht verdirbt und sich keine Nahrungsreste sammeln können.

Wohin mit dem Futterspender?

Platzieren Sie Futterspender mit genügend Abstand zur nächsten Glasscheibe (mindestens zwei Meter) und an einer übersichtlichen Stelle, so dass sich  keine Katzen anschleichen können.

Welches Futter?

Für Körnerfresser wie Finken: Sonnenblumenkerne und Freiland-Futtermischungen. Für Weichfutterfresser wie Rotkehlchen: Rosinen, Obst, Haferflocken, Kleie, Meisenknödel.

Was ist zu vermeiden?

Keinesfalls sollte man salzige Nahrung wie Speck oder Salzkartoffeln anbieten. Auch Brot ist nicht zu empfehlen, da es im Magen der Vögel aufquillt. Außerdem sollten Meisenknödel nicht in Plastiknetzen eingewickelt sein. Vögel können sich mit ihren Beinen darin verheddern und schwer verletzen.

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