Abschied vom Ensemble des Schweriner Theaters : „Sag mir auf Wiedersehen, vielleicht glaub ich dran“

Vieldeutig: Vor dem gesamten Ensemble und der Kulisse des Schweriner Schlosses tanzte das Ballett den AC/DC-Song „Highway to Hell“.
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Vieldeutig: Vor dem gesamten Ensemble und der Kulisse des Schweriner Schlosses tanzte das Ballett den AC/DC-Song „Highway to Hell“.

Schauspieler, Tänzer, Sänger und Musiker nahmen Abschied vom Schweriner Theater und ihrem Publikum – wehmütig, auch trotzig und meist sehr sehr komisch

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27. Juni 2016, 12:00 Uhr

Was war dieser unvergessliche Freitagabend im ausverkauften Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters? Ein Nummernprogramm. Natürlich. Schauspieler, Tänzer, Sänger und die John-Carlson-Band – jene vielen, die das Haus verlassen müssen, und auch Kollegen, die bleiben, sogar ältere Künstler im Ruhestand, sagten mit einer grandiosen Show über drei Stunden „Danke, Schwerin!“. Lieder, Szenen, Tänze, ein Best-of zurückliegender Spielzeiten. Gedichte und Lieder, hinreißend interpretiert. Soloauftritte, im Ensemble, auch spartenübergreifend. Warum die Staatskapelle nicht danke sagen wollte, wird sie wissen. Traurig.

Der Abend war aber auch eine Selbstvergewisserung künstlerischer Klasse. Jubel und stürmischer Applaus von Anfang an und zum Schluss Standig Ovations des Publikums, das so das Danke aus vollem Herzen in Richtung Bühne erwiderte. Hier und da mit einer verstohlenen Träne – auf den Rängen, im Parkett und auf der Bühne.

Es wurde auch ein trotziger Abend. Etwa als Schauspieler Jochen Fahr mit seinem berühmten Charme die „frühkapitalistischen Künstlerverträge“ an Theatern geißelte. Oder sich Andreas Auer von der Schweriner Fritz-Reuter-Bühne plattdeutsch, aber vernehmlich, über eine ministeriell ersonnene Zukunft seines Mini-Ensembles in Parchim, einer Stadt vorerst ohne Theater, mokierte.

Und sehr, sehr berührend war dieser Abend, über die melancholische Grundierung hinaus, die schon der scheidende General Kümmritz gleich zu Beginn mit seinem Hessegedicht „Stufen“ anschlug – „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe/Bereit zum Abschied sein und Neubeginne“. Als etwa das Schauspielensemble von rechts auftrat und sich dann allein von links Klaus Bieligk, der vor über einem Jahr schwer erkrankte und langsam genesende Kollege, zu ihnen gesellte, brandete großer, solidarischer Beifall auf. Oder das Dankeschön der Schauspieler an ihren Direktor Peter Dehler: „Wir gehen dahin, wohin du gehst.“ Dass der dann auch noch zur unglaublichen Geige von Hannes Richter Citys „Am Fenster“ singt – einer der Höhepunkte dieses Abends. Der bei all den Liedern, die vom unsteten Wanderleben der Theaterkünstler erzählen – „Sag mir auf Wiedersehen, vielleicht glaub ich dran“ oder Hannes Waders „Heute hier, morgen da“ – zuweilen etwas von einem Gottesdienst hatte. Und das sei hier voller Respekt gesagt. Danke, vielen Dank und – halleluja!

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