zur Navigation springen

Vor Gericht : Sadomaso im Marstall in Diekhof-Hof?

vom

Der Inhaber vom Diekhof-Hof wollte eine Räumungsklage gegen eine Mietpartei durchsetzen. Die Mieter hätten die Wohnung für gewerbliche Zwecke als Sadomaso-Bordell betrieben. Die beklagte Partei reichte eine Gegenklage ein.

svz.de von
erstellt am 04.Nov.2011 | 09:43 Uhr

Diekhof-Hof/Güstrow | Ein spärlich beleuchteter Raum, schwarz bespannte Wände, rotes Andreaskreuz, Ketten, Peitschen, Schreie, die von Lust künden. So etwa stellt sich Otto Normalverbraucher vielleicht ein Sadomaso-Bordell vor. Richterin Annamaria Düvel räumte ein, dass sie sich anhand von Fotos auch erst ein Bild von dem Etablissement machen musste. "So etwas erwartet man ja nicht unbedingt in Mecklenburg-Vorpommern", sagte sie.

Aber genau darum ging es gestern im Amtsgericht Güs trow. Der Inhaber des zum Wohnhaus umgebauten ehemaligen Marstalls in Diekhof-Hof wollte eine Räumungsklage gegen eine Mietpartei durchsetzen. Grund: Die Mieter hätten die 200-Quadratmeter-Wohnung für gewerbliche Zwecke genutzt und eben dieses in Rede stehende Sadomaso-Bordell betrieben. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Es gab kein Urteil, weil die Beklagten das Haus zum 31. Oktober geräumt hatten. Daraufhin zog der Anwalt des Vermieters die Klage zurück.

Erledigt war die Angelegenheit damit nicht. Denn die beklagte Partei reichte unterdessen eine Gegenklage ein. Sie macht Investitionen von 10 000 Euro geltend, die im Vertrauen auf ein langes Mietverhältnis gemacht wurden. Außerdem fordert die Partei so etwas wie Schmerzensgeld, denn ihr Ruf als Künstler sei durch die Unterstellung, ein derartiges Bordell unterhalten zu haben, geschädigt worden. "Nein, ich habe zu keiner Zeit ein Sadomaso-Bordell betrieben und hatte nie die Absicht", erklärte Tanja Bachmann nach der Verhandlung mit fester Stimme. Das besagte Etablissement sei ein Ausstellungsraum für Kunst gewesen. Sie fotografiere erotische Modelle, aber auch großformatige Blüten. Ihr Partner Dirk Freyling male, z.B. abstrakte Bilder. Die Galerie hatte sich noch zu Pfingsten an "Kunst: offen" beteiligt. Beide räumten ein, dass sie auch Filme mit erotischem Inhalt, so genannte Fetischfilme, in der Wohnung produziert hätten. Im Dorf sei das ein offenes Geheimnis und auch dem Vermieter, mit dem bis zur Klage ein fast freundschaftliches Verhältnis bestanden habe, sei das nicht unbekannt gewesen. Man habe sich monatlich einmal getroffen, erklärte Bachmann, sogar eine Dokumentation von der Sanierung des Gutshauses für den Eigentümer angefertigt. Und auch das Finanzamt soll Bescheid gewusst haben.

Dass die Beinahe-Freundschaft mit dem Vermieter zu Bruch gegangen und das Mietverhältnis nach fünf Jahren abrupt gekündigt worden sei, führen beide auf die Nachbarn im Nordturm zurück. Die hätten mit ihrem Vermieter im Streit gelegen und das vermeintliche Bordell im Südturm offenbar als Druckmittel genommen.

Die Gegenklage soll am 25. November vor dem Amtsgericht Güstrow verhandelt werden. Vielleicht wird dann klarer, was ein Sadomaso-Bordell ausmacht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen