Aussenhandel in MV : Russland-Geschäfte im Aufwind

Beim zweiten Russlandtag 2016 in Rostock unterzeichneten der damalige Ministerpräsident Erwin Sellering (r.) und der russische Industrieminister Denis Manturow eine Absichtserklärung zur weiteren Entwicklung der Beziehungen.  Fotos: Bernd Wüstneck
Beim zweiten Russlandtag 2016 in Rostock unterzeichneten der damalige Ministerpräsident Erwin Sellering (r.) und der russische Industrieminister Denis Manturow eine Absichtserklärung zur weiteren Entwicklung der Beziehungen. Fotos: Bernd Wüstneck

„Ende der Eiszeit eingeleitet“: Mecklenburg-Vorpommern tauschte 2017 wieder Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro aus

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22. Februar 2018, 05:00 Uhr

Zuversicht im Russlandgeschäft: Nach mehrjähriger Krise hat der Außenhandel Mecklenburg-Vorpommerns fast wieder das Niveau seit der Verhängung der EU-Sanktionen im Jahr 2014 erreicht. Im vergangenen Jahr waren erstmals wieder Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro ausgetauscht worden – 420 Millionen mehr als ein Jahr zuvor, ermittelte das Statistische Bundesamt. Die ansteigenden Außenhandelszahlen mit Russland würden Anlass zur Hoffnung auf eine positive Entwicklung geben, schätzt die Staatskanzlei in einer parlamentarischen Anfrage des Linken-Landtagsabgeordneten Henning Foerster ein. Aus- und Einfuhren seien deutlich gestiegen, teilte Mario Rothaupt, Volkswirtschaftler der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rostock, mit. 2017 hatten vor allem die Importe deutlich zugelegt – um mehr als 60 Prozent auf 800 Millionen Euro. Die Exporte ins Putin-Reich stiegen um mehr als 40 Prozent auf 251 Millionen Euro.

„Ein ermutigendes Zeichen dafür, dass ein Ende der Eiszeit eingeleitet ist“, meinte Foerster gestern. Durch die vor Jahren wegen des Ukraine-Konflikts verhängten EU-Sanktionen war das Russland-Geschäft nahezu halbiert worden – von 1,1 Milliarden 2014 auf 642 Millionen Euro 2016. Unter den Sanktionen und Gegensanktionen hatten vor allem die Ernährungswirtschaft und bis zur Übernahme durch den malaysischen Genting-Konzern auch die Nordic-Werften gelitten.

Trotz weiter bestehender Sanktionen will MV vorerst weiter am Russland-Kurs festhalten. Das Interesse der Landesregierung an wirtschaftlicher Zusammenarbeit besteht auch in Zeiten der Sanktionen fort, hieß es in der Staatskanzlei. Den Dialog mit der Russischen Föderation unterstütze das Land durch verschiedene Maßnahmen – u. a. mit dem dritten Russland-Tag am 17. Oktober 2018 in Rostock. Linken-Politiker Foerster geht indes noch einen Schritt weiter und fordert ein Ende der Sanktionen.

„Für meine Fraktion steht außer Frage, dass für ein gedeihliches Zusammenleben Frieden und Sicherheit zentrale Voraussetzungen sind. Diese sind in Europa nur mit und nicht gegen Russland zu haben“, sagte er.

Kritiker hatten der SPD-geführten Landesregierung in der Vergangenheit vorgeworfen, mit den weitergepflegten Wirtschaftskontakten die von der EU nach dem Ukraine-Konflikt verhängten Sanktionen zu unterlaufen. CDU-Bundestagsabgeordneter Eckhardt Rehberg polterte seinerzeit, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) würde mit einer von ihr geführten Russland-Delegationsreise „eine Art Nebenaußenpolitik“ betreiben. Allerdings: Die Russland-Kontakte waren bislang stets auch von der Landes-CDU mitgetragen worden. Torsten Roth

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