Bergener Käserei : „Rügener Badejunge“ geht baden

Der Aufsichtsrat des Molkerei-Branchenprimus DMK hat etlichen Werksschließungen zugestimmt. Auch der Hersteller des „Rügener Badejungen“ in Bergen ist betroffen. Belegschaft und Gewerkschaft hoffen noch auf einen Verkauf der Käserei.

svz.de von
26. September 2017, 18:07 Uhr

Das Deutsche Milchkontor (DMK) als größte deutsche Molkerei hält an der Schließung des „Rügener Badejungen“-Werkes in Bergen fest. Die Käserei soll spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2019 geschlossen werden, teilte das DMK mit Verwaltungssitz in Bremen am Dienstag mit. Auslöser seien zu hohe Produktionskosten der ostdeutschen Weichkäse-Sorte. Der Aufsichtsrat habe am Montagabend mehreren Werksschließungen zugestimmt. Begründet wurden sie unter anderem mit Kündigungen von Milcherzeugern und der damit verbundenen reduzierten Milchmenge. Betroffen von Schließungen und Einschnitten sind auch Werke in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

In Bergen auf Rügen sind 56 Arbeitsplätze von der Schließung betroffen. Die Beschäftigten produzieren seit 1953 die Traditionsmarke „Rügener Badejunge“ für die Rotkäppchen Peter Jülich GmbH mit Sitz in Dortmund. Das Unternehmen will den Camembert nach eigenen Angaben künftig in seinem Werk in Lumpzig in Thüringen produzieren, nachdem das DMK den Vertrag über die Herstellung des Käses kündigte.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) äußerte sein Unverständnis über das DMK-Konzept. Es gebe ernstzunehmende Kaufinteressenten für die Molkerei. „Dass das DMK den Standort nun abwickeln will, statt das Werk zu verkaufen, ist zutiefst enttäuschend. Mit dieser Entscheidung drückt sich das DMK um seine soziale Verantwortung“, sagte er. Der Minister kündigte an, den DMK-Vorstand erneut zu einem Gespräch nach Schwerin einzuladen. „Ich werde weiter für den Erhalt des Werkes und der Arbeitsplätze kämpfen“, sagte er.   Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Mecklenburg-Vorpommern, Jörg Dahms, hofft ebenfalls noch auf einen Verkaufs der Bergener Käserei. „Das ist der einzige Strohhalm, den wir noch sehen“, sagte er. Immerhin sei ein Verkauf von DMK nicht ausgeschlossen worden. Das Berliner Milchhandelsunternehmen Ostmilch bekundete Interesse am „Rügener Badejungen“. Geschäftsführer Jens Tützer erklärte, dass Ostmilch weiterhin grundsätzlich ein Interesse an der Molkerei Bergen habe und auch an der Fortführung der Produktion interessiert sei. Allerdings müsse man die Entscheidung der Eigentümer, das Werk zu schließen, akzeptieren.

Das Deutsche Milchkontor hat den 2018 und 2019 von Schließungen betroffenen 270 Mitarbeitern Unterstützung zugesagt. „Das Unternehmen ist sich der Tragweite der Entscheidung bewusst und bedauert diese außerordentlich, sieht allerdings keine wirtschaftlichen Alternativen“, teilte der Pressesprecher mit. Am Montag hatten rund 250 Molkereibeschäftigte aus Norddeutschland und Sachsen-Anhalt im niedersächsischen Zeven gegen die Pläne demonstriert.

Das Deutsche Milchkontor verarbeitet derzeit rund 7,3 Milliarden Kilogramm Milch an 20 Standorten. Nach eigenen Angaben gehört der Konzern mit einem Umsatz von 5,1 Milliarden Euro europaweit zu den führenden Unternehmen der Milchwirtschaft.

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