Bio-Gut Gallin : Rücklagen gleichen Dürreschäden aus

Der Bio-Landwirt und Geschäftsführer des Gutes Gallin, Jens Rasim, steht vor seiner Bio-Fleischerei. Die Schäden durch die Dürre in seinem Bio-Betrieb schätzt er auf eine halbe Million Euro.

Der Bio-Landwirt und Geschäftsführer des Gutes Gallin, Jens Rasim, steht vor seiner Bio-Fleischerei. Die Schäden durch die Dürre in seinem Bio-Betrieb schätzt er auf eine halbe Million Euro.

Trotz Dürre und 25 Prozent Einbußen ruft das Bio-Gut Gallin nicht nach staatlichen Hilfen.

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10. August 2018, 21:00 Uhr

Einer der größten Bio-Betriebe in Deutschland, das Gut Gallin, hat nach Schätzungen seines Chefs Jens Rasim durch die Dürre einen Schaden von einer halben Million Euro erlitten. „25 Prozent des Betriebsumsatzes entfallen“, sagte der 52-jährige Geschäftsführer am Freitag. Nach staatlichen Hilfen ruft der Unternehmer dennoch nicht. „Der Betrieb hat Rücklagen. Wir werden nicht mal einen Liquiditätskredit brauchen“, erklärte er vor dem Besuch von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Freitag in dem 1000-Hektar-Betrieb im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Die Regierungschefin wollte sich über die Bio-Landwirtschaft informieren, die Rasim als Vorstandsvorsitzender des Anbauverbandes Biopark im Land als sehr gut aufgestellt bezeichnet. Immerhin würden 20 Prozent der Agrarbetriebe ökologisch wirtschaften, wenn auch nur auf 11 Prozent der Landwirtschaftsfläche. Rasim hat sich zur Aufgabe gemacht, über den Ökolandbau aufzuklären und andere von dessen Wirtschaftlichkeit zu überzeugen - anhand seines eigenen Unternehmens mit Getreide, Grünland, Mutterkühen, Fleischrindern und Schweinemast, eigener Schlachtung und Verarbeitung, Hofladen und Gaststätte.

In diesem Dürre-Sommer hat er vielleicht etwas mehr Glück gehabt als andere. Es habe im Juli einmal und im Juni drei Mal geregnet. So sei die Bio-Braugerste für die Störtebeker-Brauerei in Stralsund von guter und der Weizen sogar von Top-Qualität. Insgesamt habe er 35 Prozent Einbußen beim Korn und 75 Prozent beim Stroh. Ganz anders etwa Bio-Betriebe in der Müritzregion, die bis zu 70 Prozent Ausfälle wegen der Trockenheit erlitten. Der Mehrheit der Bio-Landwirte würden 30 bis 50 Prozent beim Getreide fehlen.

Rasim reagiert auf die Dürreschäden mit weniger Tieren. Er werde in diesem Jahr weniger Jungrinder und Ochsen kaufen, weil das Futter fehle. Statt 460 Rinder wie im Vorjahr habe er nur noch 200. Die Ausnahmegenehmigungen für Bio-Betriebe, konventionelles Futter zuzukaufen, toleriert der Biopark-Chef. Man könne die Tiere nicht hungern lassen und werde wertvolle Mutterkuhherden nicht schlachten. Er selbst habe Stroh für die Einstreu zugekauft. „Glyphosatfrei, das war die Bedingung“, sagte er. Bundesweit seien die Ökoanbauverbände aber übereingekommen, keine konventionelle Maissilage zu kaufen, sondern Gräser, Klee oder Luzerne, die wenig gespritzt würden.

Einige geplante Investitionen wie die Sanierung der Rinderställe werde er nicht verschieben, sagte Rasim. Und 2019 werde für 600 000 Euro ein Getreidelager gebaut. „Wir haben in den letzten sechs Jahren fünf gute Jahre gehabt“, erklärte er. Seitdem verdiene der Biobetrieb mehr als ein konventioneller. Nach Rasims Rechnung kommt er pro Hektar Getreide auf einen Vorteil von 200 bis 400 Euro. Der Ertrag sei zwar geringer, der Erlös pro Dezitonne aber höher. Er habe weniger Kosten für Pflanzenschutz und Dünger und zusätzlich die Bioprämie.

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