Rostocker Demografen : Rückgang von Demenz bei Frauen

Das Lebenszeitrisiko, an Demenz zu erkranken, ist vor allem bei Frauen sehr hoch.
Das Lebenszeitrisiko, an Demenz zu erkranken, ist vor allem bei Frauen sehr hoch.

1,4 Millionen Menschen waren 2010 in Deutschland an Demenz erkrankt

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10. Januar 2016, 21:00 Uhr

Rostocker Demografen haben bei 75- bis 84-jährigen Frauen einen Rückgang der Wahrscheinlichkeit von Demenzerkrankungen um jährlich zwei Prozent festgestellt. Wesentliche Gründe für die Entwicklung seien etwa die bessere Bildung oder umfassendere Krankheitsvorbeugung. Im Jahr 2010 waren den Angaben zufolge in Deutschland rund 1,4 Millionen Demenzkranke registriert.

Bei Männern der gleichen Altersklasse wurde ein Rückgang von knapp ein Prozent pro Jahr festgestellt, dies sei jedoch statistisch nicht signifikant, berichteten die Forscher in der Zeitschrift „Demografische Forschung aus erster Hand“.

Wissenschaftler des Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels werteten für ihre Arbeit hohe Fallzahlen der Krankenkasse AOK der Jahre 2007 bis 2009 aus. Eine wichtige Rolle komme der Förderung geistiger und körperlicher Fitness zu, sagte die Demografin Anne Fink. Gleichzeitig bestehe aber die Gefahr, dass der Fortschritt künftig durch die stete Zunahme von Diabetes und Übergewicht abgebremst werden könnte.

Internationale Studien bestätigten, dass es einen Rückgang bei der Häufigkeit von Demenz-Neuerkrankungen gebe, sagte Richard Dodel, Leiter der neurologischen Klinik der Uni Marburg. Für ihn spielen die Gefäßrisikofaktoren eine wichtige Rolle. „Hoher Blutdruck beispielsweise ist ein großer Risikofaktor für Demenz“, sagte Dodel, der auch Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist.

Trotz der momentan positiven Entwicklung werde aber die Gesamtzahl von Demenzkranken nicht abnehmen, sagen die Rostocker Forscher.

Denn dem Rückgang der Krankheitshäufigkeit stünden zwei Entwicklungen entgegen: Die Lebenserwartung steige, gleichzeitig nehme die Zahl der Demenzgefährdeten zu, weil die geburtenstarken Jahrgänge in das entsprechende Alter kommen. Gäbe es in allen Altersklassen und bei beiden Geschlechtern einen jährlichen Rückgang der Demenzprävalenz um nur ein Prozent, so ließe sich damit die steigende Lebenserwartung ausgleichen.

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