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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 04:06 Uhr

Grünen-Parteitag : Rot mit einer Prise Grün

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Grünen-Parteitag wählte die Landesliste für die Bundestagswahl 2017

svz.de von
erstellt am 06.Mär.2017 | 08:00 Uhr

Die Grünen-MV wollen raus aus der Bedeutungslosigkeit. Nach dem Wahldebakel bei der letzten Landtagswahl und dem Verlust der Fraktion im Schweriner Schloss hieß das Motto auf dem Güstrower Parteitag am Sonnabend: „Wir reden mit“. Den inoffiziellen Slogan dagegen nannte der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Terpe: „Wir kämpfen um unser Bundestagsmandat.“

Kämpfen soll vor allem Claudia Müller. Mit einer Mehrheit von 60 der 83 gültigen Stimmen gewann die Landesvorsitzende die Abstimmung um Listenplatz 1, der aussichtsreichsten Position für den Einzug in den Bundestag am 24. September. Die Stralsunderin aus dem Kreisverband Vorpommern-Rügen setzte sich unter viel Applaus gegen Newcomerin Monika Göpper vom Kreisverband Mecklenburgische Seeplatte durch. „Es ist einfach ein Glücksgriff, dass in diesem Wahlkampf meine Themen so hochkommen“ sagte Müller nach ihrer Wahl.

Ihre Themen sind eher rot als grün: Arbeitsmarkt-, Wirtschafts-, und Sozialpolitik. Schon Müllers Bewerbungsbogen für die Listenwahl las sich wie ein sozialdemokratisches Manifest. Sie will die Altersarmut und Langzeitarbeitslosigkeit bekämpfen, für bessere Löhne sorgen und den Internetausbau auf dem Land verbessern. „Ich stehe zu unserem Beschluss, die Hartz IV-Sanktionen abzuschaffen“, sagte Müller während ihrer Rede in Güstrow.

Zur Seite sprang ihr der einzige grüne Bundestagsabgeordnete aus MV, Harald Terpe. „Wir haben nun mal einen Konkurrenten, der wie Phönix aus der Asche erschien“, sagte er den Vertretern der Kreisverbände. Gemeint war Martin Schulz (SPD), der seiner Partei mit Themen zur sozialen Gerechtigkeit Umfragewerte jenseits der 30 Prozent bescherte. Terpes Vorschläge für den Wahlkampf waren daher eindeutig: Generationengerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit, Teilhabegerechtigkeit und Ausbildungsgerechtigkeit. Hauptsache gerecht.

Wie die Grünen ihre Vorstellung von Gerechtigkeit den Bürgern nahebringen wollen, war das zweite große Fragezeichen des Parteitags. Auch hier kam Terpe gleich auf den Punkt: „Einfache Botschaften sind für die Bevölkerung keine schlechten Botschaften. Sie müssen nur wahr sein“, sagte er den Delegierten. Ralf-Peter Hässelbarth, Mitbewerber für Listenplatz 2, stieß ins gleiche Horn: „Wir müssen den Menschen einfacher sagen, was wir anbieten. Wir haben immer das Problem, dass wir zu verkopft argumentieren.“

Wie einfach es ist, grüne Gerechtigkeit in simple Worte zu übersetzen, bewies ein Kind aus der Rostocker Werkstattschule. Der Landesvorsitzende Johann-Georg Jaeger zitierte den Schüler in seiner Rede: „Die Grünen gibt es seit 37 Jahren. Sie setzen sich für den Umweltschutz ein. Außerdem wollen sie, dass armen Leuten geholfen wird und reiche Menschen mehr Steuern zahlen müssen.“ Die Delegierten bedankten sich bei Jaeger für diese Erinnerung und setzten den Sprecher des Kreisverbandes Rostock mit 53 Stimmen auf Listenplatz 2. Damit er am 24. September in den Bundestag einziehen kann, müssten die Grünen auf über elf Prozent kommen. Ein weiter Weg bei aktuell sieben Prozent in den Umfragen. Deshalb sagte auch Jaeger: „Wir sind heute hier, um eine Frau in den Bundestag zu bringen.“

Claudia Müller ist jetzt die Hoffnungsträgerin der Grünen im Kampf gegen den Bedeutungsverlust. Müller besitzt gute Chancen als Abgeordnete in den Bundestag einzuziehen, selbst wenn die Grünen-MV unter 5 Prozent landen. Auch sie plädierte für mehr Klarheit: „Wir müssen raus aus der grünen Blase und rein in die normale Sprache“, sagte sie nach ihrer Wahl.

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