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Fall Drygalla : Rostockerin lehnt rechte Gedanken ab

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Die Ereignisse um die Rostocker Ruderin Nadja Drygalla schlagen immer höhere Wellen. Die 23-Jährige hat sich jetzt erstmals zu den Vorwürfen, sie stehe über ihren Freund der rechten Szene nahe, geäußert.

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erstellt am 05.Aug.2012 | 06:19 Uhr

Rostock/London | Die Ereignisse um die Rostocker Ruderin Nadja Drygalla schlagen immer höhere Wellen. Die 23-Jährige hat sich jetzt erstmals zu den Vorwürfen, sie stehe über ihren Freund der rechten Szene nahe, geäußert.

Drygalla hat sich deutlich von rechtem Gedankengut distanziert und will auch nach ihrer Abreise von Olympia in London die Karriere fortsetzen. "Natürlich möchte ich mit dem Sport weitermachen", sagte die Sportlerin gestern. "Ich wünsche mir, dass ich meine Pause in Ruhe beginne und dann Anfang September wieder anfangen kann." Nach den Sommerspielen in London solle es weitere Gespräche mit dem Deutschen Ruderverband geben.

Drygalla war nach einem Treffen mit der Teamleitung aus dem olympischen Dorf abgereist. Grund war der Wirbel um ihre Beziehung zu dem früheren NPD-Direktkandidaten Michael Fischer.

Ihr Freund ist nach Drygallas Darstellung seit Mai dieses Jahres kein NPD-Mitglied mehr und habe "persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet", sagte die Athletin. Sie spreche sich gegen rechte Ideologie aus. "Ich habe keine Verbindung in seinen Freundeskreis und diese Szene gehabt und lehne das absolut ab." NNN hatten von dieser Sachlage bereits erfahren und in der Sonnabend-Ausgabe darüber informiert.

Walter Arnold, der Vorsitzende des Heimatclubs der Sportlerin, hat sich in die gleiche Richtung geäußert. "Nadja ist bei uns nie durch rechtsradikales Gedankengut aufgefallen. Ich finde es erbärmlich, dass ein junges Mädchen in Sippenhaft genommen wird", so der Chef des Olympischen Ruder-Clubs Rostock.

Unterdessen gibt es aber Vorwürfe aus Sportlerkreisen gegen die Rostockerin. So soll Carina Bär aus dem deutschen Doppel-Vierer, die also in London noch nicht mit Achter-Ruderin Drygalla in einem Boot saß, gesagt haben: "Wir haben intern öfter darüber diskutiert, dass wir solche Haltungen nicht tolerieren. Bei ihr war es ein offenes Geheimnis", so Bär. Sie unterstrich ausdrücklich, dass damit die politische Gesinnung Drygallas gemeint sei.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich fordert eine Klärung des Falles Nadja Drygalla. "Extremistisches Gedankengut hat im Sport keinen Platz. Denn Sportler sind auch Vorbilder. Der Sachverhalt muss deshalb umfassend und gründlich geklärt werden", sagte er. Der Vorsitzende des Landesruderverbandes Mecklenburg- Vorpommern, Hans Sennewald, kritisiert die Art und Weise des Verfahrens: "Ich bin bestürzt darüber, wie mit einer Sportlerin umgegangen wird", sagte der Rostocker.

Lesen Sie Montag das Gespräch mit Nadja Drygalla sowie Hintergründe in unserer aktuellen Printausgabe.

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