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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 06:16 Uhr

Demonstration : Rostocker zeigen Zivilcourage

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rund 800 Rogida-Gegner demonstrieren für Toleranz und Solidarität

von
erstellt am 05.Jan.2015 | 20:15 Uhr

„Wir wehren den Anfängen, damit es nie wieder so etwas wie Lichtenhagen 1992 geben wird“, sagt Johann-Georg Jaeger. Der Landtagsabgeordnete der Grünen und Vorkämpfer der Proteste von 1989 trat gestern als Redner bei den beiden Anti-Rogida-Kundgebungen auf: Am Doberaner Platz applaudierten laut Polizei rund 500 Demonstranten, wenig später am Kröpeliner Tor fast 800. Sie wollen dem für Montag angesetzten Spaziergang „Rostock gegen die Islamisierung des Abendlandes“ entgegentreten.

Auch die 62 Jahre alte Christiane Schirm verfolgt dieses Ziel: „Ich möchte mit meiner Anwesenheit und offensichtlich vielen Rostockern zeigen, dass wir gemeinsam für alle Völker einstehen.“ Flüchtlinge und Migranten seien in der Hansestadt immer willkommen, betont auch der SPD-Landtagsabgeordnete Julian Barlen: „Unser Rostock ist für alle da. In der Stadt und MV leben weniger als 0,5 Prozent Muslime und 99,999 Prozent von ihnen legen keine fundamentalistische Haltung an den Tag – wie soll ich da die Sorgen der Rogida-Anhänger vor einer Islamisierung ernst nehmen?“, fragt er.

Wie Barlen verweist auch Imam-Jonas Dogesch vom Migrantenrat auf die engen Verstrickungen zwischen Pegida- und Ableger-Demos und rechtsradikalen Kräften. Seit den ersten Protestzügen im Oktober hätten sich die Teilnehmer immer wieder rassistisch geäußert, am Mikrofon häufig NPD-Kader gestanden. Auch Rogida-Anmelder Enrico Naumann aus Stralsund werden enge Kontakte zu der rechtsradikalen Partei nachgesagt. „Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind keine Sorgen, sondern verbrecherische Einstellungen“, sagt Dogesch. Viele Migranten und Flüchtlinge fühlten sich an die frühen 90er-Jahre erinnert, als in Deutschland Asylbewerber auf offener Straße verprügelt und verjagt worden seien und das Sonnenblumenhaus in Flammen gestanden habe.

„Ich appeliere an die Rostocker: Geht nicht den Rattenfängern auf den Leim“, sagt Tilman Jeremias, Pastor der Innenstadtgemeinde. „Wer meint, Angst haben zu müssen vor den Muslimen, der kann gerne mit mir in die Moschee in der Südstadt kommen und mit ihnen sprechen.“

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