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Drehstart am Dienstag an einem Plattenbau in Halle : Rostocker Krawalle werden verfilmt

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Die Bilder der ausländerfeindlichen Krawalle 1992 in Rostock-Lichtenhagen gingen um die Welt: In seinem neuen Film will Regisseur Burhan Qurbani die Emotionen und Lebenswege von Menschen 20 Jahre danach aufarbeiten.

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erstellt am 19.Apr.2013 | 08:42 Uhr

Halle/Rostock | Die schockierenden Bilder der ausländerfeindlichen Krawalle 1992 in Rostock-Lichtenhagen gingen um die Welt: In seinem neuen Film "Wir sind jung. Wir sind stark" (Arbeitstitel) will Regisseur Burhan Qurbani ("Shahada") die Ereignisse, Emotionen und Lebenswege von Menschen 20 Jahre danach aufarbeiten. "Der Film muss aufklärerisch sein, gegen das Vergessen angehen", sagte Qurbani (32) gestern in Halle. Zu den Darstellern gehören der in Rostock aufgewachsene Devid Striesow ("Tatort") sowie Saskia Rosendahl, Jonas Nay und Joel Basman.

30 Drehtage, 1000 Komparsen

In Halle werden vom nächsten Dienstag in einem leerstehenden Plattenbau die Szenen an rund 30 Tagen und mit Hilfe von 1000 Komparsen gedreht. In dem Film wird die Geschichte von drei Menschen nach der Wende erzählt, etwa von Lien aus Vietnam (Trang Le Hong), einer ehemaligen Vertragsarbeiterin in der DDR.

Ende August 1992 griffen hasserfüllte Jugendliche und Rechtsradikale eine Aufnahmestelle für Asylbewerber an. Die Polizei bekam die Lage erst nach Tagen in den Griff. Die im brennenden Haus lebenden Vietnamesen flüchteten in Todesangst aufs Dach. Für Entsetzen sorgte, dass so viele Schaulustige die Täter anfeuerten.

Er habe die Bilder vom Sonnenblumenhaus - so hieß die Unterkunft - im Fernsehen als Zwölfjähriger gesehen. Seither habe ihn das Thema nicht losgelassen. "Dieser Eindruck ist geblieben", sagte Qurbani. "Die Suche nach Heimat, nach Identität, von Menschen, die entwurzelt sind, darum geht es", sagte der Regisseur. 2010 war er mit seinem Episodenfilm "Shahada" über junge Muslime bei der Berlinale dabei. Seine Eltern stammen aus Afghanistan.

Drei Jahre liefen die Vorbereitungen. Ein Jahr lang sei in Rostock intensiv recherchiert worden, hieß es. "Die Ereignisse waren sehr komplex. Es geht um die Situation, in der sich die Menschen befunden haben. Es geht auch um ein emotionales Verstehen", sagte Redakteur Burkhard Althoff (ZDF). "Wir wollen historisch korrekt sein, was in 24 Stunden geschah", sagte der Produzent des rund zwei Millionen Euro teuren Streifens, Jochen Laube (Teamworx). Der Film soll Ende 2014 im Kino sowie im ZDF und auf Arte gezeigt werden.

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