Fahrerbewertungen : Rostocker können nicht parken

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Und wie fahren Sie? Schilder in Schwerin

Rasende Nordwestmecklenburger, drängelnde Schweriner: Wie Autofahrer im Internet bewertet werden

svz.de von
13. Juni 2016, 20:55 Uhr

Citroën-Fahrer mit Nordwestmecklenburg-Kennzeichen sind Raser. Und Hyundai-Fahrer aus Parchim parken oft verkehrswidrig. Das behaupten zumindest Autofahrer auf der Seite www.fahrerbewertung.de.

Auf der Onlineplattform können Verkehrsteilnehmer sich selbst und andere hinsichtlich ihres Verhaltens im Straßenverkehr bewerten. Im Prinzip ist es ganz einfach: Ortskennzeichen eingegeben und dann das jeweilige Fahrverhalten nach Automarke, Modell und Eigenschaften mit Schulnoten von eins bis sechs beurteilen. Der Betreiber der Seite, die Initiative für sicheres Fahren UG, nimmt diese Bewertungen dann in ihre deutschlandweiten Statistiken  auf und macht sie öffentlich.

„Wir haben festgestellt, dass die Aggressivität der Fahrer auf den Straßen in letzter Zeit zugenommen hat. Die Vorsicht und das Miteinander leiden darunter“, sagt Arno Wolter, Geschäftsführer der Initiative. „Die Seite hat die Absicht,  Fahrern, die sich unangenehm verhalten, aufzuzeigen, dass andere Fahrer das bemerken“, so der Geschäftsführer weiter.

An sich kein schlechter Gedanke. So lässt sich beispielsweise erkennen, dass Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich gerade mal die Bewertung „befriedigend“ erhält. In 32 Prozent der Bewertungen heißt es beispielsweise, dass Fahrer mit Rostocker Kennzeichen verkehrswidrig parken. Schweriner hingegen drängeln und schneiden gern andere Fahrer im Straßenverkehr (16 Prozent). Die besten Fahrer in MV sind übrigens jene mit Grimmener Kennzeichen. Sie wurden mit einer Note von 2,7 bewertet.

Andreas Hölzel, Pressesprecher des ADAC, betrachtet die Webseite weniger positiv. „Wir halten von dem Portal nichts“, sagt Hölzel deutlich. „Das ist sehr subjektiv, auch die Kriterien, nach denen man bewertet. Und nur weil einer mal jemanden nervt, wird er gleich an den Pranger gestellt“, so der Sprecher.

Kritisch zu sehen ist auch Datenschutz der Internetseite. Denn neben allgemeinen Bewertungen von Städtekennzeichen, können auch konkrete Fahrer getadelt werden. Dazu muss der Nutzer nur das vollständige Kennzeichen des Fahrers angeben und diesen bewerten. Anschließend ist die Beurteilung des Fahrers für jedermann sichtbar. Auf ihrer Internetseite behauptet die Initiative jedoch, sich an die Vorgaben der deutschen Rechtsprechung hinsichtlich des Datenschutzes zu halten. Zwar könne man vollständige Kennzeichen angeben und auch suchen, die betroffene Person dahinter bleibe jedoch anonym und der Schutz der Privatsphäre dadurch gewahrt, heißt es dort. Auch Arno Wolter steht dem Ganzen weniger kritisch gegenüber. „Es gibt nicht viele Leute, die sich darüber beschweren. Wenn das doch mal vorkommt, dann zeigen wir uns natürlich kulant und nehmen das Kennzeichen aus unserer Datenbank raus.“

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