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Klinikum beendet Urlaub des Arztes : Rostocker beendet Hungerstreik

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Arpad David, der seit Montag vor dem Rostocker Amtsgericht für die Gleichberechtigung von Vätern mit einem Hungerstreik demonstriert hatte, ist aus dem Urlaub ans Südstadtklinikum zurückbeordert worden.

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2013 | 08:05 Uhr

Rostock | Sein Hungerstreik ist beendet. Arpad David, der seit Montagmorgen vor dem Amtsgericht für die Gleichberechtigung von Vätern demonstriert hatte, ist aus dem Urlaub ans Südstadtklinikum zurückbeordert worden. Warum der Oberarzt der Kardiologie früher als geplant wieder arbeiten muss, wollte der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Prof. Hans-Christof Schober, nicht begründen. Aber er sagte: "Wir machen uns große Sorgen um ihn. Er ist ja unser Kollege." Einige Klinik-Mitarbeiter hätten David während des Streiks besucht und sich um ihn gekümmert. "Wir lassen ihn nicht allein", sagte Schober. Ansonsten sei die Aktion aber eine private Geschichte, aus der sich das Krankenhaus heraushalte.

Nicht nur von seinen Kollegen, auch von Familie, Freunden und anderen Vätern bekam David Rückendeckung. "Alle halbe Stunde kommt jemand vorbei", sagte er. Während der Oberarzt mehrere Tage und Nächte bei Kälte, Regen und Schnee vor dem Gericht ausharrte, versorgten seine Unterstützer ihn mit Tee und Kaffee, Isomatte, Schlafsäcken, Stiefeln, Schirmen und Planen für seine Sachen. "Die Leute haben sich wirklich gekümmert. Mir geht es ganz gut."

Mit seiner Protestaktion wollte der Mediziner erreichen, dass Müttern und Vätern bei der Sorge für ihre Kinder die gleichen Rechte eingeräumt werden. Es sei nicht einzusehen, warum ein Gericht den Wunsch eines Kindes, beim Vater zu leben, nicht berücksichtige, sagt der 44-Jährige, dessen vier Söhne nach der Trennung der Eltern bei der Mutter leben. Schließlich sollte es seiner Meinung nach in der Rechtsprechung in erster Linie um das Wohl des Kindes gehen.

Das Problem sei, dass es dafür keine einheitliche Definition gebe, sagt Tristan Rosenkranz vom Verein Gleichmaß, der sich in Rostock und Umgebung für familiäre Gleichstellung und die Chancengleichheit von Kindern in Familien einsetzt. "Das Kindeswohl wird sehr oft instrumentalisiert." In mehr als 90 Prozent der Fälle würden die Gerichte zugunsten der Mutter entscheiden. Von einer Gleichstellung von Müttern und Vätern könne deshalb nicht die Rede sein. Daran wird Rosenkranz’ Meinung nach auch die Gesetzesreform kaum etwas ändern, die der Bundestag in der vergangenen Woche verabschiedet hat. Diese sieht vor, dass unverheiratete Väter künftig das volle Sorgerecht für ihre Kinder ausüben können - notfalls auch gegen den Willen der Mutter. Ein gemeinsames Sorgerecht mit der Mutter soll den Vätern nur noch verwehrt bleiben, wenn dadurch das Wohl des Kindes beeinträchtigt wäre. Mit diesem Beschluss soll die Rolle der ledigen Väter gestärkt werden.

Ob Arpad Davids zweitägiger Hungerstreik vor dem Rostocker Amtsgericht dazu beigetragen hat, die Rechte von Vätern in Deutschland zu stärken - der Oberarzt weiß es nicht. Dennoch packte der 44-Jährige gestern Nachmittag seine Sachen und kehrte in seine Wohnung zurück. Seinen Kampf für die Gleichstellung von Müttern und Vätern gibt der Oberarzt deswegen aber nicht auf.

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