Rostock verliert die „Stephan Jantzen"

Der letzte Mann an Bord: Vereinskapitän Michael Egelkraut (r.) übergibt Günter Klugmann den Schlüssel zu seinem Büro.
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Der letzte Mann an Bord: Vereinskapitän Michael Egelkraut (r.) übergibt Günter Klugmann den Schlüssel zu seinem Büro.

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18. Juli 2012, 09:40 Uhr

Stadtmitte | Die schlimmsten Befürchtungen sind nun doch wahr geworden - ganz überraschend verliert Rostock den Eisbrecher "Stephan Jantzen". Der US-amerikanische Eigner Paolo Zampolli will das Schiff künftig für eigene Zwecke nutzen und es so bald wie möglich nach Polen in eine Werft bringen. Ein Schlepper wird dazu nötig sein. Wann genau es so weit ist, bleibt noch offen, denn dem Hafenkapitän Gisbert Ruhnke liegt noch keine Legitimationsbescheinigung vor.

Trotzdem stellte der Rostocker Betreiberverein schon gestern seine Arbeit ein. Nachdem sie die Flagge eingeholt hatte, ging die Besatzung mit betretenen Mienen von Bord. Dreimal ertönte das Schiffshorn und dann war alles vorbei. "Wir sind traurig, aber wir empfinden keinen Groll", sagt Vereinskapitän Michael Egelkraut. Dass Zampolli sein Schiff so kurzfristig zurückfordert, war dennoch ein Schock für alle. Erst am vergangenen Freitag habe der New Yorker Unternehmer seinen Entschluss mitgeteilt.

Umbenennung zu "King Ice" möglich

Lange sorgte sich die Interessengemeinschaft um die Zukunft der "Stephan Jantzen" in Rostock. Unklar war, welche Pläne der Eigner mit ihr hat. Doch es bestand auch die Hoffnung der Rostocker, dass der Eisbrecher langfristig an der Kaikante des Stadthafens bleiben wird. Über die plötzlichen Entwicklungen zeigt sich nun auch Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) erstaunt: "Diese Entscheidung kommt sehr überraschend. Noch vor einer Woche habe ich mit dem Vertreter des Eigners gesprochen, der die Leistungen der ehrenamtlichen Crew in höchsten Tönen gewürdigt hat."

Ende Juni schickte Zampolli seinen Vertreter Lubin Reyes aus London in die Hansestadt. Mit seinen Worten sprach er der Besatzung und vielen Rostockern aus der Seele: "Ich kann mir Rostock ohne das Schiff kaum noch vorstellen." Er sagte, dass er Zampolli empfehlen wolle, das Schiff in Rostock zu lassen. Doch der Geschäftsmann aus New York entschied sich anders. Bereits 2006, als Zampolli die "Stephan Jantzen" für 450 000 Euro kaufte, plante er, sie zu einem eisgängigen Luxus-Passagierschiff umzubauen, das Touristen in die Arktis und Antarktis bringt. Selbst einen neuen Namen hatte es damals schon auf dem Papier gegeben: "King Ice". Doch die Skizzen, die ein Planungsbüro aus Monaco anfertigte, wurden bisher aus unbekannten Gründen nicht umgesetzt.

"Langer Heinrich" bekommt seine Chance

Das könnte sich nun ändern. Es wird spekuliert, dass der Eigner jetzt seine Vorstellungen umsetzen will. Auch Vereinskapitän Egelkraut schließt das nicht aus. Er und seine Vereinskollegen wollen sich nun nach einem neuen Museumsschiff umsehen - und ihren Namen ändern. Was aus dem Rostocker Liegeplatz werden soll, ist noch offen. Methling äußert aber schon eine Idee: "Wir hätten genug maritime Exponate, die sicher die Lücke füllen könnten. Ich denke da an die ,Undine’, den ,Langen Heinrich’ oder das Betonschiff."


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