Rostock unterstützt den FC Hansa mit 1,96 Millionen Euro

Fast mehr Drohung als Protestkundgebung: Während die Rostocker Bürgerschaft über die Zukunft des FC Hansa zu entscheiden hatte, dröhnte es aus tausenden Kehlen: „Hier regiert der FCH.“  Foto: dapd
Fast mehr Drohung als Protestkundgebung: Während die Rostocker Bürgerschaft über die Zukunft des FC Hansa zu entscheiden hatte, dröhnte es aus tausenden Kehlen: „Hier regiert der FCH.“ Foto: dapd

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10. Mai 2012, 07:48 Uhr

Der FC Hansa Rostock ist pleite. Doch wie kam es zu der Schieflage, wie wurde letztlich das Aus verhindert und wer hat zur Rettung beigetragen?

Warum kam es zur Schieflage?
Hansa Rostock drückt ein Schuldenberg von 8,5 Millionen Euro. Knapp die Hälfte davon fordert das Finanzamt, denn 1999 und 2000 versteuert der Verein Provisionen für Spielerberater und Einnahmen aus Transfers nicht ordnungsgemäß. Dafür muss nun gezahlt werden. Mit dem Abstieg in die dritte Liga in der Saison 2009/10 verschärfte sich die finanzielle Lage noch. Statt wie bislang knapp vier Millionen Euro Fernsehgelder bekam Hansa nur noch knapp 400 000 Euro. Leistungsträger verließen den Verein zudem ablösefrei. Sportlich konnte Hansa keinen Nutzen aus seiner Nachwuchsarbeit – 2010 Deutscher A-Jugend-Meister – ziehen. Spieler der Meistermannschaft wie Lucas Albrecht, Pelle Jensen, Kevin Pannewitz erreichten im Profikader kaum Zweitliganiveau.

Wie wurde das Aus verhindert?
Am Mittwoch hatte die Bürgerschaft der Stadt Rostock ein Rettungspaket für den Traditionsverein beschlossen und die Insolvenz Hansas damit verhindert. Der Maßnahmenkatalog sieht vor, dem Verein einen Teilerlass der 4,5 Millionen Euro Steuerschulden in Höhe von rund 680000 Euro zu gewähren. Zudem soll es eine direkte Finanzspritze von 750000 Euro geben. Außerdem soll die Stadt das Trainingszentrum des Vereins zurückkaufen. Die drei anderen Hauptgläubiger - zwei Banken (DKB, Ostseesparkasse) und das Land Mecklenburg-Vorpommern - sind bereit, auf rund 38 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten. Nur so kann der letzte DDR-Meister und Pokalsieger verhindern, dass ihn die Schuldenlast von 8,5 Millionen Euro erdrückt.

Wer hat geholfen? Wer hat gehadert?
Hansa hat den Fans viel zu verdanken. 6000 Anhänger demonstrieren am Wochenende und 3000 am Mittwoch vor der Bürgerschaftssitzung und setzten die Stadtvertreter damit unter Druck. Denn deren Finanzausschuss hatte sich zuvor gegen Finanzhilfen für den Verein ausgesprochen. Gegner des Rettungspakets argumentieren, dass nicht nur der Verein hoch verschuldet ist, auch die Stadtkasse drücken derzeit Verbindlichkeiten in Höhe von rund 350 Millionen Euro. Davon sind 170 Millionen sogenannte Altschulden. Kritik von Lesern auch auf unseren Internetseiten. „Wenn sie nicht spielen und wirtschaften können, müssen sie halt aufhören.“ Oder: „Durch die Stadt unterstützte Insolvenzverschleppung nenn ich das.“

Welchen Wert hat die Rettung im Umland?
Am Mittwoch hatte die Bürgerschaft der Stadt Rostock ein Rettungspaket für den Traditionsverein beschlossen und die Insolvenz Hansas damit verhindert. Der Maßnahmenkatalog sieht vor, dem Verein einen Teilerlass der 4,5 Millionen Euro Steuerschulden in Höhe von rund 680000 Euro zu gewähren. Zudem soll es eine direkte Finanzspritze von 750000 Euro geben. Außerdem soll die Stadt das Trainingszentrum des Vereins zurückkaufen. Die drei anderen Hauptgläubiger - zwei Banken (DKB, Ostseesparkasse) und das Land Mecklenburg-Vorpommern - sind bereit, auf rund 38 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten. Nur so kann der letzte DDR-Meister und Pokalsieger verhindern, dass ihn die Schuldenlast von 8,5 Millionen Euro erdrückt.

Was bringt die Zukunft?
Bis zum 24. Mai muss Hansa der Deutschen Fußball Liga (DFL) nachweisen, dass die Liquidität für die Saison 2012/2013 gesichert ist. Nach dem Beschluss der Bürgerschaft am Mittwoch gilt die Lizenz allerdings als sicher. Sportlich gibt es noch einige Fragezeichen. „Hansas größter Feind neben den Finanzen ist die Zeit“, sagte Manager Stefan Beinlich nach dem erlösenden „Ja“ der Politik zum Rettungsschirm. Die Uhr tickt. Bereits in zweieinhalb Monaten startet die 3. Liga, am 10. Juni beginnt in Rostock die Vorbereitung. Nach dem Abstieg hat aber lediglich „ein Grundgerüst“ von Spielern einen gültigen Vertrag, Neuverpflichtungen gibt es noch nicht. Denn bereits jetzt hat die Hängepartie den Verein wichtige Zeit gekostet, potenzielle Verstärkungen hielten sich wegen Hansas ungewisser Zukunft zurück. „Urgesteine“ wie Marcel Schied und Tobias Jänicke verlassen den Verein. Auch Marek Mintal und Michael Wiemann gehen. Gleich acht arbeitssuchende Kicker stellten sich in dieser Woche beim Probetraining vor. Bekannte Namen waren nicht darunter.

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