Freie Fahrt für Güterzüge : Rostock startet Direktzug nach Wien

Neue Europalinie: Am Sonntag startet der erste  Shuttle-Zug in Rostock Richtung Wien Thomas Schwandt
Neue Europalinie: Am Sonntag startet der erste Shuttle-Zug in Rostock Richtung Wien Thomas Schwandt

Wien gilt als ein wichtiger Knotenpunkt in Zentraleuropa. Nun ist auch Rostock an diese Verbindung angeschlossen. Am Sonntag rollt erstmals ein Güterzug aus dem Seehafen in Richtung Österreich.

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10. Mai 2013, 07:38 Uhr

Rostock | Freie Fahrt für Güterzüge von Rostock nach Österreich: Sonntagmorgen um 7.43 Uhr fährt im Seehafen erstmals ein Zug im schienengebundenen Kombinierten Verkehr (KV) von der Ostseeküste nach Wien ab. Damit werden die bestehenden KV-Verbindungen vom Rostocker Hafen gen Südosteuropa nach Wels (Österreich) sowie Brno in der Tschechischen Republik um eine zusätzliche Südachse erweitert.

"In enger Kooperation mit dem Wiener Hafen Freudenau haben wir das Potenzial dieser Destination im Kombiverkehr untersucht und dann gemeinsam intensiv dafür geworben", sagt Ulrich Bauermeister, Geschäftsführer der Hafen-Entwicklungsgesellschaft mbH. Der neue Shuttleservice, der von European Rail Shuttle und Wiener Lokalbahnen Cargo betrieben wird, ist als so genannter "offener Zug" aufgelegt worden. Er steht nicht nur einem Kunden zur Verfügung, wodurch auch solche mit kleineren Ladevolumen jetzt die Möglichkeit haben, den transeuropäischen Schienenweg zu nutzen.

Für den Wien-Kombiverkehr konnte zudem das Leipziger Unternehmen CargoBeamer, Anbieter einer modernen schnellen Verladetechnologie, gewonnen werden. So können auf der Strecke neben kranbaren Trailern und Containern auch nicht kranbare Trailer befördert werden. Pro Zug werden laut Rostocker Hafenchef fünf bis sechs CargoBeamer-Waggons eingebunden. Das ist insbesondere für die Güterverkehre nach und von Südosteuropa von erheblichem Belang, da in dieser Region der übergroße Anteil an Trailern nicht kranbar ist.

Wien gilt als ein wichtiger Knotenpunkt in Zentraleuropa. Nach Aussage von Bauermeister dürfte ein großer Teil der KV-Fracht auf der neuen Strecke aus dem Großraum der österreichischen Hauptstadt stammen bzw. dorthin adressiert sein. Potenzial gebe es aber auch weiter süd- und südöstlich. Bei der Entwicklung des KV-Projekts mit Wien sei die aktuell angespannte konjunkturelle Lage in Südeuropa "nur untergeordnet betrachtet worden", verweist Bauermeister auf den strategisch langfristigen Charakter des neuen Shuttles. "In Südosteuropa agieren sehr wettbewerbsfähige Unternehmen, für die eine staufreie und schnelle Direktverbindung nach Nordeuropa eine Marktchance ist." Die Zugladung gelangt nach der Verschiffung in Rostock weiter unbegleitet über die Ostsee bis auf die Märkte in Skandinavien. Der Seehafen Rostock bildet eine geografisch attraktive Schnittstelle auf der kontinentalen Nord-Süd-Verkehrsachse und ist in die europäischen Transportnetze (TEN) integriert.

Nach der Startphase, in der Verladeunternehmen und Spediteure meist zunächst abwarten, wie sich das neu eingerichtete KV-Angebot bewährt, hoffen die Häfen in Rostock und Wien auf rege Nachfrage. Um das "erhebliche Potenzial" zu nutzen, werden in Rostock unter anderem mit den Fährreedereien regelmäßige Absprachen geführt, wie die Abfahrten und das Frachtaufkommen auf das KV-System abgestimmt werden können. Auf dem KV-Terminal im Rostocker Seehafen werden ab kommenden Sonntag wöchentlich 35 einkommende und ausgehende Züge abgefertigt. Darunter auch zwölf nach Verona und drei nach Novara in Italien. Der neue Wien-Service soll ein halbes Jahr nach dem Start von zwei auf vier Verbindungen ausgeweitet werden. Ziel seien schließlich sechs Abfahrten pro Woche, kündigt Bauermeister an.

Dann soll auch der umfangreiche Ausbau des Rostocker KV-Terminals abgeschlossen sein. Für 16 Millionen Euro wird derzeit die Kapazität auf jährlich 140 000 Ladeeinheiten verdoppelt. 2012 wurden nach Angaben des Hafens 64 255 Trailer-Einheiten auf dem KV-Terminal umgeschlagen.

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