zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 11:08 Uhr

Flüchtlinge : Rostock hilft in Not

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Helfer stehen vor ungewisser Zukunft. Strukturen müssen verändert werden.

von
erstellt am 05.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Hochbetrieb im Rostocker Hauptbahnhof: Wie fast jeden Tag entsteigen bis zu hundert Flüchtlinge dem Regionalexpress aus Hamburg. In Rostock werden sie von Freiwilligen empfangen, mit Essen und Getränken versorgt. Auf Tischen stehen Kartons mit Kleidung. „Manche kommen noch in Sandalen oder dünnen Klamotten und sind überhaupt nicht auf die kühlen Temperaturen eingestellt“, sagt Florian Fröhlich von der Initiative „Rostock hilft“.

Auf diese Weise wurde seit dem 8. September mehr als 10 000 Menschen geholfen. Rund 400 Helfer haben sich für sie eingesetzt. „#hrohilft arbeitet schnell und unkompliziert. Viele Menschen leisten ungefragt Hilfe, sammeln Sach- und Geldspenden, geben Sprachunterricht oder sind einfach nur da, wenn sie gebraucht werden. Das ist toll“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling.

Das Engagement von #hrohilft hat sogar Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) nach Rostock geführt. Doch nach Wochen des unermüdlichen Engagements steht die Veränderung der Strukturen an. Möglich erscheint die Gründung eines Vereins, damit auch die Stadt einen verlässlichen Ansprechpartner hat. Die Helfer sind in wechselnden Besatzungen im Hauptbahnhof tätig - Tag und Nacht. Sie sind die erste Anlaufstelle für die Flüchtlinge, die zum großen Teil nur das Ziel Fähre nach Skandinavien vor Augen haben. Sie bekommen im Bahnhof noch die wichtigsten Informationen und werden zum Bus und zur Fähre geführt. Erreichen sie die Hansestadt am Abend, werden sie zur Übernachtung in eine Halle im Stadtteil Marienehe gebracht. „Die Menschen haben eine lange Flucht hinter sich, es darf keiner auf der Straße schlafen“, betonen die Helfer und berichten von teils überwältigenden Erlebnissen.

Was in den vergangenen Wochen geleistet wurde, hat Spuren hinterlassen und viel Kraft gekostet. „Da ist etwas unglaublich Großes entstanden“, sagt Julia Reichart, eine der Sprecherinnen der Initiative. „Wir haben viel reingebuttert, aber wir werden abspecken müssen.“ Einer der Gründe dafür ist, dass nun das Semester beginnt und viele Studenten sich um Vorlesungen und Seminare kümmern müssen. Nach Wochen des Engagaments geht auch einigen ein bisschen die Luft aus. „Was wir hier aufgebaut haben, funktioniert nur deswegen so gut, weil wir unbürokratisch arbeiten“, sind Reichart und Fröhlich überzeugt.

Das heißt aber im Gegenzug, dass man nicht einfach einen Dienstplan aufstellen kann. „Das geht bei diesen Strukturen nicht.“ Fraglich ist nun, wie etwa die Sortierung und Verteilung der riesigen Mengen von Kleidung, Schuhen, Kinderspielzeug oder all den anderen Dingen, die die Rostocker vorbeigebracht haben, aufrechterhalten wird. Wer schmiert die Brötchen, wer steht am Bahnhof? „Es wird spannend, das alles logistisch hinzubekommen“, sagt Reichart. „Es liegt an uns allen, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass dieses Engagement auch dauerhaft wirken kann und dass Menschen inNot wieder eine Perspektive entwickeln können“, sagt auch OB Methling.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen