Rostock: Ein Kilo Sprengstoff im Überseehafen

Beschlagnahmt: Stangen des Sprengstofftyps Eurodyn 2000. Foto: NNN
Beschlagnahmt: Stangen des Sprengstofftyps Eurodyn 2000. Foto: NNN

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06. Juli 2012, 07:25 Uhr

Rostock | Im Rostocker Überseehafen sind am späten Donnerstagabend drei Männer aufgeflogen, die mit Sprengstoff im Gepäck nach Berlin unterwegs waren. Sie wollten per Fähre aus Dänemark nach Deutschland einreisen. Zum Verhängnis wurde den Männern eine Routinekontrolle der Bundespolizei, bei der keiner von ihnen einen gültigen Führerschein vorzeigen konnte. Daraufhin durchsuchten die Polizisten auch ihr schwedisches Mietauto näher - und fanden in einer Sporttasche drei rote Stangen und eine separate Sprengkapsel.

"Die Kollegen hatten gleich die Vermutung, dass es sich bei der Masse um Sprengstoff handelt", sagt Synke Kern vom jetzt ermittelnden Landeskriminalamt MV. Sie forderten den Munitionsbergungsdienst an, der die Stangen als Eurodyn 2000 identifizierte. Der laut Experten hochbrisante Sprengstoff auf Nitroglykolbasis erinnert in seiner Konsistenz an Spachtelmasse. Normalerweise kommt er im Bergbau oder auch beim Tunnelbau zum Einsatz. Was die jetzt festgenommenen Männer mit dem Sprengstoff vorhatten, ist noch unklar. Auch, wo sie ihn überhaupt herhaben, steht noch nicht fest. Die drei Stangen sowie die Kapsel befinden sich vorerst in Obhut der Rostocker Kriminalpolizei.

Die Überprüfung der Personalien ergab, dass es sich bei den Männern um einen Schweden sowie um einen Iraner und einen Mazedonier mit dänischer Aufenthaltsgenehmigung handelt. Letztere konnte die Polizei außerdem als Mitglieder der Rockervereinigung Bandidos identifizieren. Einer gehört dem Bandidos Motor Club (BMC) Nomads, einer dem BMC Helsingborg an. "Wir stehen mit den Behörden in Dänemark und Schweden in Kontakt", sagt Kern. Dort seien die Männer und ihr Rockerclub bereits bestens bekannt.

Auch in MV warnt Knut Abramowski, Präsident des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, vor dem Einfluss der Bandidos: "Die zahlreichen Strafprozesse gegen Rocker in der Vergangenheit, die größtenteils mit mehrjährigen Haftstrafen endeten, sprechen eine mehr als deutliche Sprache." Die Mitglieder hätten sich vor allem durch Drogen- und Menschenhandel, Zwangsprostitution sowie Eigentums- und Wirtschaftskriminalität einen Namen gemacht. "Schwerstkriminalität, der wir mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten begegnen werden", so Abramowski.

Gegen die drei festgesetzten Männer hat die Rostocker Staatsanwaltschaft gestern Haftbefehl beantragt, dem der Richter auch folgte. Die Vorwürfe: Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und Vorbereiten eines Sprengstoffanschlags. Die Männer sitzen nun in Untersuchungshaft.

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