zur Navigation springen

Alice Cooper im Interview : „Rockstar? Das hat sich so ergeben…“

vom

Am Sonntag tritt der Schock-Rocker Alice Cooper um 20 Uhr auf dem Zappanale-Gelände in Bad Doberan auf. Was macht Cooper, wenn er nicht auf der Bühne steht? Und welche Rolle spielt Zappa in seiner Karriere?

svz.de von
erstellt am 03.Aug.2012 | 06:36 Uhr

Bad Doberan | Alice Cooper wird am Sonntagabend auf dem Zappanale-Gelände in Bad Doberan als Hauptattraktion des "Heavy Guitar Day" auftreten. Durch provokante Texte und theatralische Auftritte, in deren Verlauf er nicht selten in der Zwangsjacke agiert und seine Hinrichtung durch Enthauptung oder am Galgen simuliert wird, erreicht Cooper seit Jahrzehnten ein Massenpublikum und gilt als Wegbereiter von Kiss, Rammstein oder Marilyn Manson. Cooper ist am Anfang seiner Karriere stark von Frank Zappa gefördert worden. Da ist es folgerichtig, dass er am Sonntagabend nach der Zappanale eine Extra-Show abliefert. Uli Grunert hat den Weltstar getroffen.

Sie begeistern mit Ihrer Show seit Jahrzehnten die Massen. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Alice Cooper: Sämtliche Zaubertricks, die wir auf der Bühne veranstalten, sind nicht wirklich neu. Für alles gibt es Vorläufer und Vorbilder. Aber eins ist sehr wichtig. Du musst die Tricks mit starker Musik verstärken, mit der besten Band, die du kriegen kannst. Ich arbeite immer mit zwei hervorragenden Gitarristen, suche mir den besten Drummer und den besten Bassisten. Ohne gute Musik wären wir ein Kasperletheater!

Welche Rolle hat Frank Zappa in Ihrem Leben gespielt?

Frank Zappa hat uns auf seinem Plattenlabel unseren ersten Plattenvertrag angeboten. Das hat uns einen großen Schub gegeben. Wir waren plötzlich eine Band mit einem Plattenvertrag! Wir fühlten uns wie Könige. Auch wenn unsere großen Erfolge erst Jahre später kamen, war das eine ganz wichtige Phase in unserer Karriere. Frank Zappa glaubte an uns. Er war damals bereits ein bekannter Mann. Wir dagegen waren Nobodys.

Wann haben Sie beschlossen, ein Rock-Star zu werden?

Ehrlich gesagt, habe ich niemals ernsthaft daran gedacht, ein Rockstar zu werden. Das hat sich so ergeben. Als Jugendlicher habe ich nur gewusst, dass ich mit Sicherheit einmal in einer Rockband spielen würde. Meine Eltern fanden die Beatles entsetzlich, weil sie für Horden von kreischenden Mädchen sorgten und seltsame Haarschnitte hatten. Mir hat das imponiert. Ab sofort wollte ich unbedingt auch so was machen. Ich traf ein paar Freunde, wir gründeten eine Band und spielten die Hits der Beatles nach und später auch die Sachen der Rolling Stones. Am Anfang waren wir eine Coverband und für unsere Verhältnisse schnell ziemlich erfolgreich.

Was machen Sie, wenn Sie nicht auf den Rock-Bühnen der Welt stehen?

In meiner Freizeit spiele ich Golf, moderiere eine Radiosendung und gehe als gläubiger Christ jeden Sonntag in die Kirche meiner Heimatstadt Phoenix. Es ist schon seltsam, wie viele denken, dass Leute wie Ozzy Osbourne, Marilyn Manson und ich irgendwo in einem finsteren Schloss hocken. Wir sind Schauspieler. Auf der Bühne spiele ich eine richtig böse Figur, aber privat bin ich ganz anders. In meiner Show wird der Bösewicht gehängt oder mit der Guillotine geköpft. Das Böse zieht bei mir auf der Bühne immer den Kürzeren.

Viele Rock-Kritiker sehen Sie als Vorreiter und Wegbereiter einer speziellen Schock-Heavy-Rock-Richtung. War das Zufall?

Als ich anfing, wusste ich nicht, wie ich das Ganze nennen sollte. Dann kamen die Journalisten, nannten es Dada-Rock, Opern-Rock oder Schock-Rock. Heute sehe ich es eher als eine Art Horrorkomödie mit viel gutem Rock’n’Roll. In Wahrheit bin ich ein Entertainer. Für einen Lacher schrecke ich nicht vor dem ältesten Trick zurück. Jedesmal, wenn der Vorhang hochgeht, will das Publikum keine Entschuldigungen hören, sondern eine gute Show sehen. Nur darauf kommt es an.

Sie sind 64 Jahre alt. Trotzdem wirken Sie auf der Bühne enorm fit.

Wenn man die Figur, die man auf der Bühne darstellt, ins Leben hinübernimmt, kann einen das dreißig Jahre Lebenszeit kosten. Auf der Bühne fühlt man sich überlebensgroß. Außerhalb der Bühne ist man aber nichts anderes als ein ganz normaler Bürger. Wenn ich morgens aufstehe, ziehe ich mir wie alle anderen die Hosen an und mache Frühstück. Ich verfüge über keinerlei mystische Kräfte. Aber auf der Bühne, da habe ich sie. Dort bin ich ein Mythos, aber eben nur dort. Sobald man versucht, diesen Mythos im Alltag aufrechtzuerhalten, bringt einen der Mythos um. Man trinkt, schluckt Pillen, schnupft Kokain, um im Alltag der zu sein, den man auf der Bühne spielt. Vor dreißig Jahren reichte es mir. Ich zog einen klaren Trennungsstrich zwischen der Bühnenfigur Alice und mir. Ich bin ein geheilter Alkoholiker.


Programm am Wochenendechenende

Zappanale am Samstag
18 Uhr Dr. Dark & Gary Lucas, 19:30 Uhr
Acid Cobra & Art-Errorist & Zappi, 20:30 Uhr Motorpsycho, 22:30 Uhr Herr Blum, 23:30 Uhr DeWolff, 1 Uhr Aufrichtiges Zappa

Heavy-Guitar-Day am Sonntag
13 Uhr Blasorchester Bad Doberan, 14 Uhr Iron Horses, 15 Uhr Jerry Outlaw and Friends, 16:30 Uhr Jimmy Gee. 17:30 Uhr Uli Jon Roth, 19 Uhr Lapis Lazuli, 20 Uhr
Alice Cooper


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen