In Cottbus stehen vier Mitglieder von Gremium MC vor Gericht : Rockerclubs unter Druck

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Die Motorradrocker der Hells Angels wollten wohl einem Verbot zuvorkommen. dpa

Die brutalen Schläge und die Messerattacke auf den jungen Mann waren beinahe tödlich. Wegen des lebensgefährlichen Übergriffes müssen sich vier Mitglieder eines Rockerclubs wegen versuchten Mordes verantworten.

svz.de von
08. März 2013, 07:54 Uhr

Cottbus | Die brutalen Schläge und die Messerattacke auf den jungen Mann waren beinahe tödlich. Wegen des lebensgefährlichen Übergriffes müssen sich vier Mitglieder eines Rockerclubs seit gestern vor dem Landgericht Cottbus wegen versuchten Mordes verantworten. Die teils muskulösen Männer wurden in Handschellen zum Gericht geführt, wo während des Prozesses strenge Sicherheitsregeln gelten.

Die Angeklagten vom Club MC Gremium sollen den Jugendlichen aus einer größeren Rockergruppe heraus in der Nacht zu Silvester 2011 in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) lebensgefährlich verletzt haben. Sie hielten ihn laut Anklage für ein Mitglied der verfeindeten Hells Angels. Der Schüler konnte nur mit einer Notoperation gerettet werden. Die vier Männer äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. Diese lauten auch auf räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, schwerer Hausfriedensbruch und Waffendelikte.

Wie beim Verlesen der Anklageschrift deutlich wurde, hatte der Überfall auf den 16-Jährigen ein Vorspiel. Vor dem Übergriff seien etwa 40 Rocker des MC Gremium in eine Diskothek eingedrungen, ohne zu bezahlen, sagte der Frankfurter Staatsanwalt Peter Graupner. "Sie wollten die Gäste einschüchtern, darunter auch Anhänger der Hells Angels." Anlass für das bedrohliche Auftreten war demnach eine Auseinandersetzung von Anhängern beider Rockerclubs wenige Tage zuvor. Dabei wurde ein 26-jähriges Mitglied des Gremium MC in Königs Wusterhausen niedergestochen und schwer verletzt. Als die wütenden Gremium-Rocker die Diskothek verließen, sahen sie draußen den 16-jährigen Schüler, den sie für ein Mitglied des gegnerischen Clubs hielten. "Eine Gruppe von etwa 20 Männern verfolgte den jungen Mann mit der Absicht, ihn zu töten", berichtete der Staatsanwalt. "Durch seine Tötung wollten sie ihre Macht gegenüber den Hells Angels demonstrieren." Graupner nannte Details der Attacke, so dass etlichen Zuschauern der Atem stockte. "Die Angeklagten traten den Jugendlichen, einer schlug mit einem Schlagring sechsmal auf dessen Kopf. Zwei Männer stachen mit Messern auf ihn ein, ein anderer schlug ihn mit einer Taschenlampe", äußerte der Staatsanwalt. Als der Schwerverletzte mit klaffenden Wunden ohnmächtig wurde und am Boden lag, hätten noch andere aus der Gruppe auf ihn eingeprügelt. Die Ärzte konnten sein Leben nur mit einer längeren Notperation retten.

Parallel zum Prozess wurde gestern bekannt, dass sich die Hells Angels in Cottbus aufgelöst haben. Die Motorradrocker wollten damit einem Verbot zuvorkommen, sagte eine Sprecherin der Polizei Cottbus gestern. "Sie haben einen maßlosen Druck gehabt - den werden wir auch weiterhin auf sie ausüben." Der Club sei seit Mittwoch geschlossen. Die Internetseite der Cottbuser Gruppe war gestern nicht mehr verfügbar. Es ist dennoch unwahrscheinlich, dass sich die Rocker zurückziehen. Das Landeskriminalamt vermutet, dass die Mitglieder des Cottbuser Hells Angels-Clubs nach wie vor aktiv sein werden. "Die Leute sind ja da. Die tragen nur keine Kutte mehr", sagte LKA-Rockerexperte Frank Adelsberger. Die Masche, das Eigentum des Clubs durch eine Vereinsauflösung zu schützen, betreiben die Hells Angels laut Adelsberger bereits seit längerer Zeit. "Auf ihre Geschäfte werden sie in Zukunft nicht verzichten wollen.

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