Rocker provoziert die "Hells Angels"

Michael Kolz führt seinen Privatkrieg gegen die Hells Angels. Foto: Pohle
Michael Kolz führt seinen Privatkrieg gegen die Hells Angels. Foto: Pohle

svz.de von
06. Juli 2012, 10:08 Uhr

Neuhof/Zarrentin | Wüste Beschimpfungen und Schmähungen an einem Haus im Zarrentiner Ortsteil Neuhof gegen den Rockerclub "Hells Angels" sorgen seit Wochen für Aufsehen und Spannung zugleich. Nicht nur die Behörden haben angesichts der unübersehbaren Provokation Angst, dass bald etwas passiert. Mut? Wahnsinn oder doch Verzweiflung? Das schießt jedem in den Kopf, der in der Boissower Straße vorbeifährt. Von dort schreit einem der Protest gegen die Hells Angels von zahlreichen hölzernen Plakaten, von Wimpeln, bemalten Figuren und großen Schriftzeichen nur so entgegen.

Dahinter steckt der 53-jährige Michael Kolz, der aus seiner Abneigung gegen den Rockerclub auch im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung keinen Hehl macht. Er sei dafür, dass die Hells aufgelöst werden und wolle seinen Beitrag leisten, sagt er auf die Frage, warum es das Ganze veranstaltet. In der Folge berichtet der Mann, der mit seinen Tätowierungen und langen Haaren auch wie ein Rocker aussieht, von seinen Erfahrungen mit dem Club. Er sei mal vor Jahren so eine Art Anwärter gewesen, ohne es zu wissen. Vieles sei ihm erst später aufgegangen. Dann berichtet er von grausamen Vorfällen, die seine Familie betroffen haben sollen. Er selber sei auch kein Kind von Traurigkeit gewesen und habe wegen eines Messer angriffs auch mal im Knast gesessen. Kolz sieht sich auch in seiner Nachbarschaft umgeben von Ex-Hells-Angels, Dealern und Sympathisanten des Rockerclubs. Er habe beschlossen, nun nicht mehr still zu halten und seine Meinung deutlich zu sagen. Das setzte er gestern in die Tat um, in dem er ein altes Wahlplakat des früheren Motorradartisten Jürgen Baumgarten direkt neben die Plakate hing. Baumgarten wohnt in der Nachbarschaft und sollte in die Nähe des Rockerclubs gerückt werden. Der ließ sich das nicht gefallen, jagte seine Anwälte los. Per Eilbeschluss der Staatsanwaltschaft wurde die Plakate als Eigentums Baumgartens beschlagnahmt.

Kolz, der seit mehr als zwölf Jahren in Neuhof wohnt, gilt in der Nachbarschaft als sehr schwierig, um es vorsichtig zu formulieren. Der Ex-Hamburger wollte auch schon mal Bürgermeister in Zarrentin werden und bekam bei den Wahlen 2009 als Einzelbewerber 1,5 Prozent der Stimmen. Viele winken bei der Nennung seines Namens ab, kaum einer glaubt ihm seine Geschichten. Dagegen sind seine Provokationen sehr real. Er habe auch schon einen Anruf von einem Anwalt bekommen, erzählt er. Der habe behauptet für die "Hells Angels" tätig zu sein und ihn aufgefordert, die Sachen abzunehmen. Das sei schließlich Verleumdung. Gestört habe ihn das, so Kolz, nicht.

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