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Umweltauswirkungen des Pipelinebaus werden überprüft : Roboter sucht nach Schäden

vom

Bereits seit November 2011 schießt Gas von Russland nach Deutschland durch die Nord-Stream-Pipeline im Ostseeboden. Wissenschaftler haben jetzt den zweiten Umweltbericht vorgelegt. Das Ergebnis sei zufriedenstellend.

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2012 | 10:28 Uhr

Lubmin | Bereits seit November 2011 schießt Gas von Russland nach Deutschland durch die Nord-Stream-Pipeline im Ostseeboden. Ende dieses Jahres soll auch der zweite Leistungsstrang transportfähig sein. Wissenschaftler haben jetzt ihren zweiten Umweltbericht vorgelegt. Das Ergebnis sei zufriedenstellend: Bereits nach einem Jahr hätten sich Arten stabilisiert und neu angesiedelt.

Mit Hilfe von Sedimentproben und einem Tauchroboter versuchen die Wissenschaftler rund um Meeresbiologin Anja Schanz vom Institut für Angewandte Ökosystemforschung (IfAÖ) Veränderungen der Flora und Fauna festzustellen. Das Institut arbeitet im Auftrag der Nord Stream AG - Bauherr und Betreiber der 1224 Kilometer langen Pipeline. Mit einer Kamera zeichnet der ferngesteuerte Roboter in fünf Meter Wassertiefe im Greifswalder Bodden Meeresgrund, Wasserpflanzen sowie Kleinstlebewesen auf und sendet die Bilder an das Labor des Forschungsschiffes "Professor Albrecht Penck". Bereits zwei Jahre nach Aushebung des Rohrgrabens für die Erdgas trasse haben sich wieder Algen sowie kleine Muscheln angesiedelt.

Für das Mega-Projekt hat Nord Stream allein in den geschützten Boddengewässern rund zwei Millionen Kubikmeter Sand und Mergel ausgebaggert, um die Pipeline wie gefordert im Untergrund zu verlegen. Zudem wurde der Verlauf der Trasse nach der auf dem Ostseeboden liegenden Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ausgerichtet. "Wir haben 107 Sprengkörper gefunden", sagt Bruno Hälg, Leiter für Umwelt und Soziales bei Nord Stream. Ein aufwendiges Verfahren, pro Munitionskörper seien 48 Stunden für die Sprengung notwendig gewesen. "Alles was größer als ein Handy war, wurde von uns untersucht", so Hälg. Mit dem zweiten vorgelegten Umweltbericht folgt Nord Stream den Auflagen. "Der Regenerationsprozess in den deutschen Gewässern verläuft wie prognostiziert", sagt Umweltmanager Jan Kube. Mehr als zehn Millionen Euro gibt Nord Stream bis 2015 für das Monitoring aus.

Der Umweltverband WWF sieht das Engagement des Pipelinebauers nüchtern. Einige Schäden, wie die Zerstörung der Boddenrandschwelle durch die Pipelinequerung seien irreversibel, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. "Da müsste schon eine neue Eiszeit kommen, damit die Struktur wieder so hergestellt ist, wie sie war." Nord Stream widerspricht. Die Pipeline durchquere an der Boddenrandschwelle ein Sanddünental und keine eiszeitliche Mergelschicht, wo die Regeneration vermutlich nun sogar schneller voranschreite als in anderen Arealen. Der WWF könne zudem die neuesten Daten noch nicht kennen.

Mit der Genehmigung des Vorhabens wurde Nord Stream verpflichtet, mehr als zehn Jahre die Auswirkungen des Pipelinebaus zu dokumentieren. Die Regeneration des Meeresgrundes, der Flora und Fauna muss innerhalb von fünf Jahren gewährleistet sein. Dazu hatte Nord Stream vor dem Bau 150 Bohrkerne und Sedimentproben genommen, das Baggergut in Arealen vor Usedom getrennt gelagert, um den Graben nach der Verlegung wieder herkunftstreu mit Material zu füllen. "In Struktur und Profil ist der Untergrund über den Rohrgräben inzwischen wieder so hergestellt, wie er war", erklärt Kube. Er gehe davon aus, dass sich innerhalb des vorgegebenen Zeitraums auch die Tier- und Pflanzenwelt wieder erhole. Sandklaffmuschel, Miesmuschel seien inzwischen nachgewiesen. Mittlerweile wüchsen 10 bis 20 Zentimeter hohe Algenwälder auf der Schüttung. Auch habe es keine messbaren Störungen von Seevögeln und Schweinswalen in der Pommerschen Bucht gegeben. Ab 2013 will Nord Stream seine gesammelten Daten im Greifswalder Bodden auch Dritten zur Verfügung stellen. Der WWF forderte, dass auch in anderen Offshore-Projekten erhobene Umweltdaten in einem Pool zusammengeführt werden.

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