Circus Krone : „Robbie“ ist der Star in Wismar

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Europas größter Zirkus , Circus Krone, gastiert seit gestern in Wismar. Zu den tierischen Stars gehören auch die Darsteller von „Hallo Robbie!“.

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12. September 2015, 08:00 Uhr

„Zunge“, ruft Roland Duss – und folgsam steckt Tino die Zunge aus dem Maul. Bei „Smile“ zaubert er ein Lächeln auf sein Gesicht. Und auf das Kommando „Bart“ sträubt er tatsächlich seine Barthaare. Charly demonstriert unterdessen, dass er sich auf Zuruf drehen, kratzen oder in eine bestimmte Richtung gucken kann. Das Tierschau-Publikum staunt – und manch einer denkt, er hätte ein Déjà-vu.

Tatsächlich sind die kalifornischen Seelöwen, mit denen Petra und Roland Duss seit 2011 im Circus Krone auftreten, keine Unbekannten. „Mit ihnen wurde ,Hallo Robbie!‘ gedreht“, erzählt die Tierlehrerin und verrät: „Auch wenn Robbie ein Mädchen war – unsere vier sind alles Männer.“ Chico, mit 24 Jahren der Älteste, war das Gesicht der Serie. Beim Dreh hat er sich vor allem mit Tino (19) abgewechselt. Joe (13) und Charly (12) wurden in den Szenen ohne Schauspieler eingesetzt – „da fiel nicht auf, dass sie ein bisschen kleiner waren als die anderen beiden“, erzählt Petra Duss.

Im Wismarer Bürgerpark, wo Circus Krone am Donnerstag seine Zelte aufgeschlagen und gestern Premiere gefeiert hat, haben die vier Seelöwen ein 100 000 Liter fassendes Süßwasserbecken zum Toben für sich. Vor den Vorstellungen können auch Besucher mit hineinsteigen – Menschen mit einer Behinderung sogar kostenlos. „Das ist für sie wie eine Delphin-Therapie, nur dass sie dafür keine weiten Wege auf sich nehmen müssen“, erläutert Zirkus-Pressesprecherin Dr. Susanne Matzenau.

Zumindest in der Tierschau stehlen die massigen Tiere, die zu den Ohrenrobben zählen, den „echten“ Löwen die Show, denn die dämmern den größten Teil des Tages nur vor sich hin. Später aber stehen vor allem die Raubkatzen im Mittelpunkt: Martin Lacey präsentiert die mit 28 Tieren größte gemischte Raubtiergruppe der Welt. „Viele Besucher kommen vor allem ihretwegen“, erzählt Susanne Matzenau. Schließlich sei Tierlehrer Martin Lacey für die Darbietung auf dem Internationalen Zirkus-Festival von Monte Carlo mit dem Goldenen Clown, dem Zirkus-Oscar, ausgezeichnet worden. Und: Mit Baluga gehört auch der weltweit erste in einem Zirkus geborene weiße Löwe zu seinen Tieren. Zur Welt kam er 2011 – im Circus Krone.

Auf zwei Plakaten neben dem Haupteingang steht: „Zirkusfreunde fordern: Tiere gehören zum Zirkus“ und „Tiere im Zirkus – Erst vor Ort informieren! Dann kritisieren“. Ottmar Liebicher aus Kiel hat sie aufgehängt, später verteilt er für die Gesellschaft der Zirkusfreunde Info-Material an die Besucher. Er will damit ein Gegengewicht zu vermeintlichen Tierrechtlern setzen, die am liebsten jegliche Tierhaltung im Zirkus verbieten möchten. In Kiel, am letzten Auftrittsort von Circus Krone, hätten solche Leute protestiert. Einer dieser vermeintlichen Tierfreunde ist Ottmar Liebicher besonders im Gedächtnis geblieben: „Er hatte einen Boxer bei sich, kurz angeleint und mit einem Stachelhalsband…“

„Wenn man auf diese Leute zugeht und das Gespräch mit ihnen sucht, gehen ihnen meist sehr schnell die Argumente aus“, sagt Max Siemoneit-Barum, der zweite Betriebsleiter und Tierschutzbeauftragte des Circus Krone. Wer pauschal kritisiere, wisse gewöhnlich gar nicht, „wie viel Energie, Zeit und Geld wir in unsere Tiere investieren“.

„Wir lieben unsere Tiere, und so behandeln wir sie auch“, betont Susanne Matzenau – und zählt gleich eine ganze Liste von Dingen auf, die weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen: So gibt es alle Stallzelte – für Pferde, Elefanten und Exoten – in doppelter Ausführung. Während das eine noch am alten Auftrittsort steht, wird das zweite schon am neuen aufgebaut – nach dem Transport kommen die Tiere so sofort wieder in eine gewohnte Umgebung. Zu jedem Zelt gehören großzügige Freigehege, selbst für die Elefanten. Sandbäder, Scheuer- und Kratzbäume sowie frischer Laubschnitt sorgen dafür, dass die einzelnen Tiere Beschäftigung und Anregung bekommen. Der Zirkus beschäftigt zwei Tierärzte und einen Hufschmied. 15 Pfleger kümmern sich allein um die Pferde, viermal täglich werden diese gefüttert und ebenso oft gebürstet. Futter – egal ob Fleisch, Stroh oder Heu, Obst oder Gemüse – gibt es nur in bester Qualität. „In jeder Stadt werden wir von den Amtstierärzten kontrolliert.
In den letzten Jahren gab es keinen einzigen negativen Eintrag“, so Susanne Matzenau.

Ein Ergebnis der guten Pflege: Diese Zirkustiere werden meist sehr viel älter als ihre Artgenossen in freier Wildbahn. So erreichen Löwen im Circus Krone fast immer ein Alter von mehr als 20 Jahren. Frei lebende Löwen sterben dagegen im Durchschnitt schon mit 13 Jahren. Bei Asiatischen Elefanten ist es ähnlich: Im Zirkus werden sie älter als 40 Jahre, in freier Wildbahn nur 30 bis 35. Für seine „Veteranen
der Manege“ unterhält Cirkus Krone ein Seniorenheim am Ammersee – vor allem Pferde und Ponys werden dort betreut. Andere Senioren sind ungeachtet ihres hohen Alters noch in der Manege aktiv, zum Beispiel die Asiatische Elefantenkuh Mala mit rund 50 Jahren und Breitmaulnashorn-Bulle Tsavo mit 39.

Tsavo ist sogar der weltweit einzige seiner Art, der in einem Zirkus auftritt. Wenn die Raubkatzen die Manege verlassen, schreitet er majestätisch hinein, dreht eine Runde und blickt dabei den Besuchern in den Logen tief in die Augen. „Im Grunde genommen ist das unser Beitrag zum Tierschutz“, meint Susanne Matzenau: „Wer solch ein prachtvolles Nashorn einmal aus der Nähe gesehen hat, beurteilt die grausame Tötung seiner Artgenossen in freier Wildbahn allein wegen ihres Horns ganz sicher anders.“

Vorstellungen und Tickets

Circus Krone gastiert noch bis zum 16.September mit seinem Programm „Evolution“ in Wismar auf dem Festplatz am Bürgerpark

Vorstellungen: werktags 15.30 und 20.00, sonntags 14.00 und 18.00 Uhr  (am letzten Tag nur um 15.30 Uhr)

Preise: 18 - 45 Euro Erwachsene/ 15 - 35 Euro Kinder
Kassen-Hotline: 01805 / 247 287 (14 ct/min aus dem Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend)

Der Krone-Zoo ist täglich ab 10 Uhr geöffnet.

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