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Mordprozess in Rostock : Risiko für weitere Gewalttaten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Im Mordprozess gegen Andre H. (35) aus Rostock vor dem Landgericht legte gestern der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten vor. Seit seiner Kindheit ist der Angeklagte demnach bereits in psychiatrischer Behandlung. Ursache dafür war eine Hirnschädigung während der Geburt, aber auch das völlig zerrüttete Elternhaus. Im Heim in Kühlungsborn lebend, besuchte er die Sonderschule bis zu 8. Klasse. Mehrere Lehranläufe brach er ab. Schon früh begann er mit dem Konsum von Alkohol und Drogen. Sein Bundeszentralregister enthält Eintragungen wegen Diebstahls und Brandstiftungen. Die bis dahin spektakulärste Tat war 2001 ein inszenierter Bombenalarm im „Kaufhof“ in der Langen Straße in Rostock.

Die Gutachter waren sich damals schon einig, dass Andre H. unter einer Persönlichkeitsstörung litt. Feuerlegen löste Freude bei ihm aus, Gewaltphantasien richteten sich hauptsächlich gegen seine Mutter und die Betreuer. Seine Unterbringung in einer forensischen Einrichtung wurde angeordnet.

Das gestrige Gutachten spricht von einer dauerhaften kombinierten Persönlichkeitsstörung des Angeklagten, die nicht geändert werden kann. Er sei emotional instabil, habe zum Beispiel große Probleme in der Beziehungsgestaltung, reagiere aggressiv, könne aus Fehlern nicht lernen. Therapien könnten nur helfen, besser mit den Problemen fertigzuwerden. Dass keiner der Betreuer den Angeklagten verdächtigte, seine Freundin getötet zu haben, wertete der Gutachter als besondere schauspielerische Leistung. Er prognostizierte ein hohes Risiko für weitere Gewalttaten, wobei er sich auf einen direkten Hang dazu nicht festlegen wollte. Er plädierte für eine Unterbringung des Angeklagten in einem Maßregelvollzug.

Andre H. wird beschuldigt, seine langjährige Freundin Ramona K.(32) vergewaltigt, gewürgt und mit einem Kissen erstickt zu haben. Um die Tat zu verdecken, vergrub er die Tote in einem Erdloch an der Stadtautobahn. Der Angeklagte gibt die Taten zu, stellt sie aber anders dar bezw. verteidigt sich mit Erinnerungslücken. Der Prozess wird am 26. Januar fortgesetzt.

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