Schwindendes Vertrauen : Riester-Rente auf dem Rückzug

Riester-Banksparpläne bringen zwar nicht die meiste Rendite. Sie sind dafür aber kostengünstig und flexibel.
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Riester-Banksparpläne bringen zwar nicht die meiste Rendite. Sie sind dafür aber kostengünstig und flexibel.

Kunden in MV verunsichert. Die Verbraucherzentrale versichert: Verträge sind akzeptabel

svz.de von
09. Juni 2016, 20:50 Uhr

Schwindendes Vertrauen in die private Altersvorsorge mit der Riester-Rente: Erstmals seit mehr als zehn Jahren sind in Deutschland mehr Verträge gekündigt als neue abgeschlossen worden. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ging die Zahl der Riester-Verträge um rund 1000 auf bundesweit 16,481 Millionen zurück, ermittelte das Bundessozialministerium.

Riesterverträge sind auch in MV auf dem Rückzug: „Es ist nicht mehr der Renner“, erklärte Torsten Mönnich von der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin gestern. Dem letzten Vorsorgeatlas im Auftrag von Union Investment zufolge sorgen in MV zwischen 35 Prozent der Anspruchsberechtigten in Mecklenburg und Vorpommern und bis zu 43 Prozent in der Region Rostock mit einem Riester-Vertrag für ihr Alter vor. Allerdings erhalten sie aufgrund geringerer Beitragsleistungen nur knappe Zusatzrenten aus den Vorsorgeverträgen – im Schnitt bis zu 273 Euro im Monat, bundesweit sind es 301 Euro.

Anleger in Sorge: Die anhaltenden Negativschlagzeilen verunsicherten die Kunden, beobachtete Katrin Stüdemann von der Ostseesparkasse Rostock. Es komme zu Vertragskündigungen von Riester-Verträgen, allerdings gebe es keine Kündigungswelle, hieß es in Schwerin und Rostock. Als Alternative würden Kunden langfristige Sparverträge auf Aktienbasis sehen. Indes mehrten sich auch bei der Verbraucherzentrale MV die Anfragen, erklärte Finanzexperte Axel Drückler. Die Verbraucher suchten Rat, ob sie ihren Riester-Vertrag halten oder lieber kündigen sollten. Dabei blieben die Verträge „als ein Baustein der Altersvorsorge akzeptabel“, so Drückler: Wenn 40 Prozent des Einzahlungsbetrags im Jahr vom Staat durch Zuschläge oder Steuererstattungen gezahlt würden, sollte man daran festhalten.

Aller Kritik zum Trotz verteidigte Ex-Bundessozialminister und Erfinder der „Riester-Rente“, Walter Riester, die Verträge: „Ich kann nur jeden ermutigen, von der staatlich geförderten Vorsorge fürs Alter Gebrauch zu machen. Es lohnt sich!“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit der derzeitigen Debatte sei eine „beispiellose Kampagne losgetreten“ worden: „Hier wird versucht, die Sache kaputtzureden. Millionen von Menschen sind verunsichert.“ 

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