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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 11:34 Uhr

Schwerin : Riesige Türme für die weite Welt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

KGW Schweriner Maschinen- und Anlagenbau GmbH wandelte sich vom Zulieferer für Schiffbau zum Hersteller von Windkraftanlagen

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 11:54 Uhr

Vieltausendfach recken sie sich in den Himmel. Windkraftanlagen sollen einen wesentlichen, wenn mancherorts auch nicht unumstrittenen Beitrag zur Energiewende bringen. Damit sich die riesigen Rotoren in schwindelerregender Höhe drehen können, brauchen sie Türme, auf denen die Gondel montiert wird. Und einer der Top-Drei-Hersteller dieser Türme hat seinen Stammtisch in der Landeshauptstadt: die KGW Schweriner Maschinen- und Anlagenbau GmbH.

Es war ein langer Weg für das Traditionsunternehmen bis zu seiner heutigen Position. Sollte es etwa ein Weihnachtsgeschenk der sowjetischen Besatzer an die Deutschen sein? Am 24. Dezember 1948 wurde der VEB Schweriner Industriewerke gegründet – entstanden aus der Torfindustrie Heinrich Sander, deren Eigentümer enteignet wurde. Das Datum gilt als Geburtsstunde des KGW. Im Jahr 1951 kam die Eisengießerei Brüder Klingebiel hinzu, deren Besitzer ebenfalls enteignet wurde. Anlässlich des Besuches des damaligen Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Klement Gottwald, in Berlin erhielt der Schweriner Betrieb seinen Namen.

Anfangs wurden Torfmaschinen und Krane für die Bauindustrie hergestellt. Die Firma Sander hatte bereits erste Netzwinden für die Fischerei produziert. Dieses Sortiment wurde ausgebaut. Seit 1952 war das KGW wichtigster Zulieferer der DDR-Schiffbauindustrie. Winden aller Art, Krane und Rudermaschinen aus Schwerin fuhren fortan auf allen Weltmeeren. Mit rund 1300 Mitarbeitern war das Unternehmen eins der größten in Schwerin.

1990 übernahm die Treuhand das KGW. Weil die drei Buchstaben weltweit bekannt waren, wurden sie auch im neuen Namen beibehalten: KGW Schweriner Maschinenbau GmbH. Die Firma wurde 1993 an zwei Hamburger Kaufleute privatisiert. Die verkauften sie an einen Lübecker. Aus seiner Insolvenz heraus übernahm die Wilms-Gruppe 2006 den Betrieb. Der Name jetzt: KGW Schweriner Maschinen- und Anlagenbau GmbH. Die hatte mit dem Schiffbau aber nur noch am Rande zu tun, war dieser Bereich doch schon vorher an den namhaften Schiffbauzulieferer Hatlapa gegangen. Für die maritime Industrie fertigte das KGW nur gelegentlich noch Zulieferteile, etwa für ein Offshore-Errichterschiff oder Teile für die Fundamente von Offshore-Windkraftanlagen oder die Krane für das deutsche Forschungsschiff Polarstern. Das Sortiment hat sich vollkommen verändert. Heute werden vor allem Sektionen für Windkrafttürme gefertigt. „Etwa 800 Sektionen produzieren wir im Jahr“, sagt Bernd Kipke, Chef Auftragsmanagement und Technik. „Für einen Turm werden drei bis sieben Sektionen benötigt.“ Rund 40 bis 50 000 Tonnen Stahl werden dafür im Jahr verbaut. Das Unternehmen beschäftigt 200 Mitarbeiter. In Spitzenzeiten wie jetzt kommen noch einmal 50 bis 60 Leiharbeiter dazu.

„Unsere Türme gehen praktisch in die ganze Welt“, berichtet Vertriebsleiter Karsten Schulz. „Wir liefern natürlich überall hin in Deutschland, aber auch nach Skandinavien, Großbritannien oder Südafrika, in die USA, nach Uruguay und ganz neu gehen unsere Türme ins Baltikum.“ Derzeit versuchen die KGWler ins wachsende Geschäft mit Offshore-Windanlagen einzusteigen. Aber auch die Anforderungen an Windkrafttürme für den Onshore-Bereich (Aufstellung an Land) wachsen. „Die Türme dafür haben einen Durchmesser von bis zu sechs Meter“, sagt Bernd Kipke.

„Die können wir an unseren Standorten an der Wismarschen Straße oder in Schwerin-Süd zwar fertigen, bekommen sie aber nicht mehr zum Kunden.“ Denn auf der Straße dürfen nur Türme bis Durchmesser von 4,30 Meter transportiert werden. Deshalb hat die Wilms-Gruppe die LMG Maschinen- und Anlagenbau GmbH in Lübeck erworben, die inzwischen als Werk III von Schwerin aus gemanagt wird. „Hier können wir die Sektionen direkt aus der Produktionshalle aufs Schiff setzen“, sagt Kipke.

Das Unternehmen setzt selbst auf alternative Energien. In Stern Buchholz betreibt es bereits einen großen Photovoltaik-Park.In Schwerin-Süd, dem Werk II, soll eine Windkraftanlage errichtet werden. Doch die Diskussion mit dem städtischen Bauamt zu diesem Thema dauert schon vier Jahre.


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