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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 21:39 Uhr

Stromspeicher : Riesenakku fürs Stromnetz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Schwerin geht erstes und größtes kommerzielles Batteriespeicherwerk Europas ans Netz

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 20:30 Uhr

Es hat die Größe einer Turnhalle, zählt 25 600 Hochleistungs-Akkus und soll Schäden an elektrischen Geräten wie Computern, Fernsehern oder Motoren vorbeugen: Der Regionalversorger Wemag hat gestern in Schwerin das erste und größte kommerzielle Batteriekraftwerk Europas ans Netz angeschlossen. Der Fünf-Megawatt-Großspeicher soll in Millisekunden Schwankungen im Stromnetz ausgleichen, die vor allem durch die Einspeisung von immer mehr Öko-Strom aus Wind- und Sonnenanlagen entstehen. „Ein Meilenstein in der Energielandschaft“, meinte Wemag-Vorstand Thomas Pätzold. Mit der Technologie könnten künftig mehr dezentrale Anlagen statt große Kraftwerke den Netzbetrieb sichern. Das sei vor allem auch in MV von Bedeutung, da in einigen Regionen bereits mehr Öko-Strom produziert als verbraucht werde – im Wemag-Netzgebiet würden etwa 1000 Megawattstunden Ökostrom produziert, aber nur 400 Megawattstunden verbraucht.

Die Technologie sucht derzeit ihresgleichen: Bislang hatten vor allem konventionelle Großkraftwerke für Ausgleich bei Netzschwankungen gesorgt. Batteriespeicher wie der in Schwerin seien ein „wichtiger Schritt nach vorn für die erneuerbaren Energien und eine wichtige Voraussetzung, um sich Schritt für Schritt von Kohle und Gas verabschieden zu können“, erklärte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gestern. Für Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist das Werk indes der Einstieg in intelligente Lösungen auf dem Erneuerbaren-Energien-Markt, die „betriebswirtschaftlich und ohne Dauersubventionen am Markt erfolgreich betrieben“ werden können: „Die Energiewende muss gelingen, ohne dass sie permanent neue Kostensteigerungen auslöst.“ Bei der Entwicklung von Speichertechnologien müsse auf die „Kosteneffizienz Augenmerk gelegt werden“. Mecklenburg-Vorpommern zeige indes, wie die Energiewende funktionieren könne, sagte Gabriel. 1100 Unternehmen mit 12 000 Mitarbeitern wirtschafteten in der Öko-Strombranche im Nordosten. Nach Jahren des Stellenabbaus u. a. auf den Werften müsse sich der Norden mit der Energiewende die „Chance der Reindustrialisierung“ erhalten.

Sechs Millionen Euro hat die Wemag in das vom Berliner Speicherspezialisten Younicos konzipierte Werk gesteckt, knapp 1,3 Millionen Euro steuert der Steuerzahler aus dem Innovationsprogramm des Bundes bei. In nur einem Jahr seit dem Baubeginn für das neue Batteriewerk seien die Preise für die hochleistungsfähigen Lithium-Ionen-Speicher soweit gefallen, dass sich derartige Speicherwerke auch ohne Subventionen rechneten, sagte Younicos-Vorstand Clemens Triebel. Mit dem System will der Stromversorger, der seit 2010 mehrheitlich in kommunaler Hand ist, Geld verdienen. Die Leistung des Speichers werde in einem so genannten Primärenergiemarkt wöchentlich in einer Auktion angeboten.


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