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Archäologischer Fund in Mecklenburg-Vorpommern : Riesen-Teerofen freigelegt

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Beim Bau der neuen Erdgasleitung nach Westeuropa haben Wissenschaftler im Norden Mecklenburg-Vorpommerns einen ungewöhnlich großen Teerofen entdeckt. Er hat einen Durchmesser von mehr als fünf Metern.

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erstellt am 25.Nov.2011 | 07:51 Uhr

Glasow | Beim Bau der neuen Erdgasleitung nach Westeuropa haben Wissenschaftler im Norden Mecklenburg-Vorpommerns einen ungewöhnlich großen Teerofen entdeckt. "Er hat einen Durchmesser von mehr als fünf Metern und liegt bei Glasow", sagt Andreas Selent vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern.

Neben den untersten Schichten aus gebrannten Steinen und Feldsteinen sei in diesem Fall die Abflussrinne des zwischen 200 und 300 Jahre alten Riesen-Ofens noch original erhalten. Einen Teerofen ähnlicher Größe haben Archäologen nördlich von Berlin bisher nur im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land in Nordbrandenburg gefunden, erklärt Selent.

Die Ausgrabung nahe dem einst bedeutsamen Kloster Dargun zählt zu einer ganzen Reihe von wertvollen Entdeckungen, die Archäologen entlang der neuen Gastrassen finden, die russisches Erdgas in Europa verteilen werden. Der Investor, die Firma Wingas (Kassel), bezahlt die Ausgrabungen. Die Gesamtkosten für die Nord europäische Erdgasleitung (Nel), die von Lubmin über Glasow/Dargun in die Nähe von Bremen verläuft, werden auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Für Selent ist das Geld, das die Archäologen brauchen, gut investiert. "Der Standort des Teerofens liegt direkt an einem Waldstück und der Teer wurde früher im Schiffbau, zur Abdichtung von Dächern und für Fackeln verwendet." Und der Fund war kein reiner Zufall. "Wir hatten schon alte Karten, aus denen hervorging, das in diesem Gebiet eine solche Teerproduktion existiert haben muss", erläutert Archäologe Dominik Forler. Die Fundstätte liegt am Rande der etwa 20 Meter breiten Gastrasse, die sich so eben wie das Bett einer Autobahn durch Mecklenburg-Vorpommern zieht.

Im Fall Glasow hatten die Wissenschaftler mehrfaches Glück. "Zum einen konnten wir schon gleich nach dem Wegschieben der Humusschicht an dunklen Verfärbungen erkennen, wo der Riesen-Ofen sein musste", erklärt Forler. Zehn Mitarbeiter legten die gut erhaltene Doppel-Ringstruktur frei. Plötzlich tauchte in der Mitte ein Schnitt auf: "Hier hat mal ein Bagger versucht, die Trasse für eine Stromleitung zu graben, aber zum Glück schnell wieder aufgegeben", weiß Selent. Die 20-KV-Leitung liegt nun in einem Bogen um den Ofen herum. Da hat die Wingas mehr Glück: "Unsere Trasse wäre auch mitten durch den Teerofen gegangen, aber da wir das rechtzeitig wussten, schlagen wir früher den Bogen und gehen jetzt seitwärts daran vorbei", meint Wingas-Sprecher Thomas Wagner.

Solche "Ausweichmanöver" sind keine Seltenheit: Bei Postlow nahe Anklam musste eine Gasleitung einem Riesen-Findling ausweichen, in Golßen in Brandenburg wurde ein Gas-Bogen um eine alte Eiche verlegt. Mehrkosten gibt es im Fall Glasow aber nicht, sagt Wagner, der Fund trat rechtzeitig zutage. "Der Riesen-Ofen war auch fast vier Meter hoch und muss sehr effektiv gewesen sein", vermutet Selent.

Im Inneren des Ofens verschwelte das Holz, im Außenring wurde Feuer gelegt und große Hitze erzeugt. Über die hölzerne und original erhaltene Abflussrinne im Boden flossen der Teer und alle anderen Nebenstoffe ab und wurden mit unterschiedlichen Behältnissen aufgefangen.

Mitnehmen wollen ihn die Archäologen nicht. "Die Stelle wurde abgedeckt", hat Selent entschieden. Warum dieser Riesen-Teerofen ausgerechnet bei Glasow steht, darauf könnte der Name des Ortes hinweisen: "Glasow bedeutet ,Ort auf steinigem Boden", heißt es in der Dorfchronik.

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