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Fischkutter „Seefuchs“ : Rettungsmission startet in Stralsund

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vom Fischkutter zum Rettungsschiff für Flüchtlinge: Die „Seefuchs“ nahm heute Kurs aufs Mittelmeer

Der einstige Fischkutter „Seefuchs“ ist gestern von Stralsund aus zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer gestartet. Das mit etwa 1500 Rettungswesten und Rettungsinseln für etwa 500 Menschen ausgestattete Schiff der Hilfsorganisation „Sea Eye“ soll ab Mitte Mai vor der libyschen Küste kreuzen, um schiffbrüchige Flüchtlinge zu retten. Der 59 Jahre alte Kutter war vor dem Auslaufen vom ehemaligen „Cap Anamur“-Kapitän Stefan Schmidt auf den Beinamen „Mare Nostrum“ (Unser Meer) getauft worden.

Die „Seefuchs“ ist das zweite Schiff der Hilfsorganisation „Sea Eye“. Mit dem ersten Schiff wurden seit 2016 rund 6100 Menschen aus Seenot gerettet, wie Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer sagte. Neben der „Sea Eye“ waren 2016 elf weitere Rettungsschiffe von privaten Hilfsorganisationen im Mittelmeer im Einsatz. Schmidt, der im Jahr 2004 vor der italienischen Küste 37 Flüchtlinge aus Seenot gerettet und dann in Italien vor Gericht gestellt worden war, rügte den österreichischen Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), der im März die Arbeit von Hilfsorganisationen im Mittelmeer in Frage gestellt hatte.

Die Arbeit der Freiwilligen führe dazu, dass mehr Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben kämen statt weniger. Viele würden sich zu Partnern der Schlepper machen, so Kurz bei seinem Besuch in Malta. „Unsere Antwort darauf ist, noch mehr Rettungsschiffe ins Mittelmeer zu schicken“, sagte Schmidt, der seit 2011 als Flüchtlingsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein arbeitet.

Europa schütze seine Grenzen, aber nicht die Menschen, die Hilfe benötigten, sagte Schmidt. Nach Angaben der UNHCR sind seit Jahresbeginn knapp 33 000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa geflüchtet, 826 starben.

Die „Seefuchs“ wurde wie das Schwesterschiff „Sea Eye“ auf der Elbewerft in Boizenburg gebaut. Im Jahr 1993 ging der Fischkutter an eine Eigner-Gemeinschaft, die ihn ehrenamtlich als „Forschungs- und Reisekutter“ betrieb. Anfang 2017 erwarb die Hilfsorganisation das Schiff.

Die ehemalige Besatzung wird die neue Crew auf der ersten Etappe nach Brest begleiten. Von dort fährt der Kutter über Malaga weiter nach Malta. Dort nimmt das Schiff dann zusätzlich Trinkwasser- und Essensvorräte auf, um den in Schlauchbooten oder maroden Holzbooten Flüchtenden solange Geleit und Hilfe zu geben, bis Behördenschiffe zur Aufnahme eintreffen.

 

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erstellt am 11.Apr.2017 | 21:00 Uhr

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