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Rehkitze vor dem Tod bewahrt : Rettung in letzter Sekunde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei Mäharbeiten entdeckte Achim Werner zwei kleine Rehkitze und brachte sie in Sicherheit

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2015 | 20:49 Uhr

Verdutzt schaute Achim Werner ins hohe Gras vor sich. Inmitten des Grün starrten ihn zwei große Kulleraugen an. Vor ihm lag ein hilfloses, kleines Rehkitz. Fast hätte er es gestern bei der Arbeit mit seinem Schlepper überfahren. Ein Schicksal, das vor allem in der Mähsaison viele Wildtiere ereilt. Wie der Verein Wildtierhilfe MV erklärte, sterben Schätzungen zufolge jährlich über 500 000 Rehkitze, Junghasen oder bodenbrütende Vögel durch landwirtschaftliche Maschinen. Inzwischen bietet der Verein sogar an, mit einem Multicopter inklusive Infrarotkamera über die Areale zu fliegen, um Tierkinder aufzuspüren.

Was in der Landwirtschaft ein großes Problem darstellt, bleibt aber auch im kommunalen Raum nicht aus, wie der gestrige Fall in Wittenförden zeigt. Die großzügige Grünfläche, die der 24-Jährige mulchen sollte, bietet viel Schutz, da sie von Einfamilienhäusern umgeben ist und über keinen direkten Straßenzugang verfügt. „Gerade in der Setzzeit, wenn Rehe ihre Kitze bekommen haben, halten sie sich in so ruhigen Gebieten auf“, erklärt der gelernte Forstwirt. Trotzdem hatte er mit dieser Entdeckung nicht gerechnet.

Da das Rehkitz sich keinen Millimeter bewegte, fasste der junge Mann sich kurzerhand ein Herz, stellte den Motor des Schleppers ab und griff das Jungtier – natürlich mit Handschuhen. Auch die Ricke ließ sich blicken und rief nach ihrem Jungen. In der Hoffnung, es würde zu seiner Mutter laufen, setzte der 24-Jährige das Kitz behutsam wieder ab. Stattdessen lief es in genau die Grasfläche, die der junge Garten- und Landschaftsbauer bearbeiten wollte. Darum hob er das zierliche Tier abermals hoch und brachte es in ein nahe gelegenes Dickicht. Zurück bei der Arbeit geriet sein Schlepper wenige Stunden später wieder ins Stocken. Und abermals war es ein Rehkitz, das den gelernten Forstwirt mit großen Augen anschaute. Da sich das Erste nicht mehr blicken ließ, brachte der junge Mann auch das zweite Tierkind ins sichere Dickicht. Als er seine Arbeit schließlich fortsetzte, kehrte auch die Ricke zurück „und guckte mich ganz vorwurfsvoll an“, so der 24-Jährige.

Eigentlich, so die Ansicht von Tierschützern und Landesforst, Mäharbeiten erst später stattfinden, wenn die Tierkinder größer sind und von alleine weitergezogen sind. Doch leider stimmen Naturschutzbelange mit öffentlichen und privaten Auftragsvergaben nicht immer überein. Vor allem nicht, wenn es sich nicht um landwirtschaftlich genutzte Flöchen, sondern kommunale Gebiete handelt. Die beiden von ihrer Mutter in Wittenförden abgelegten Kitze haben dank Achim Werner die Mäh- und Mulcharbeitern aber unbeschadet überstanden.

Wer ein Rehkitz findet, sollte sich am besten an die Untere Jagdbehörde oder im Falle eines Unfalls an die Polizei wenden, erklärt der zuständige Revierförster Jens-Uwe Richter. Ohne Schutzhandschuhe oder eine Decke sollten Kitze außerdem nicht angefasst werden.

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