Windkraft : Rettung für rumpelnde Rotoren

Servicetechniker Steffen Zeuner klettert in einem Windrad die Leiter hoch.
Servicetechniker Steffen Zeuner klettert in einem Windrad die Leiter hoch.

Windräder werden heute über elektronische Systeme überwacht. Wenn jedoch Bauteile verschlissen sind, müssen Servicetechniker ran.

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20. November 2017, 12:00 Uhr

Auf einem Feld in der Nähe der Kleinstadt Friedland, fast direkt an der A 20, sind stählerne Türme in den Himmel gewachsen, die aus der Ameisenperspektive besonders beeindruckend erscheinen. Rotorblätter verschwinden an diesem Novembertag in dichten Nebelschwaden, um dann wie wuchtige Messer hervorzuschnellen.

Für dieses Schauspiel haben die zwei Monteure jedoch wenig Zeit. Sie widmen sich einer Bremse im Modell S77. „356 Sprossen, ich habe sie anfangs noch mitgezählt“, sagt Steffen Zeuner, nachdem er eine Tür am Fuß des Windrads aufgeschlossen hat und auf eine schier endlose Leiter zeigt, die in die Gondel führt. Für den Aufstieg trägt er Gurte wie ein Kletterer, über einen Karabiner ist er mit einer Sicherheitsschiene verbunden.

Schwindelfrei muss er sein und keine Höhenangst haben: Die habe er nie verspürt, meint der erfahrene Techniker, der seit zwölf Jahren Windräder repariert. Der Job beim uckermärkischen Unternehmen Enertrag führte den 49-Jährigen wieder zurück in die Heimat.

Für 20 Windräder ist Zeuner verantwortlich. In einer Leitstelle werden die Arbeiten koordiniert. „Diese Anlagen verraten einem viel, aber nicht alles“, berichtet er. Oft müssten auf dem Laptop ganze Fehlerketten ausgelesen werden, bis die Ursache für eine Störung gefunden ist.

100 Meter ist Modell S77 hoch – knapp 80 Meter misst der Rotor im Durchmesser. Für den Aufstieg im engen Schacht, der im Schnitt 20 Minuten dauert, planen beide Techniker sämtliche Arbeitsschritte sowie das dafür benötigte Werkzeug akribisch. „Es kann ja keiner oben in der Gondel sagen: Ich hab' den Schraubschlüssel vergessen“, witzelt Zeuner.

Die Kraft braucht er für die Demontage: Viele Bauteile wiegen mehrere Zentner. Zusammen mit einem Kollegen wuchtet er eine 70 Kilogramm schwere Bremszange in den Transporter. Zwei mussten sie heute austauschen.

Auch regelmäßige Wartungen sind vorgeschrieben. Einmal im halben Jahr werden etwa Schmierstoffe, Lager und Sensoren überprüft – und die Gondel von innen geputzt.

Bei der jährlichen Inspektion schauen sich die Experten sämtliche Schraubverbindungen an und nehmen Messungen vor. „Manche Anlagen laufen viele Jahre störungsfrei durch, bei anderen ist der Wurm drin“, meint Zeuner. Dann schlagen die elektronischen Verschleißmelder ständig Alarm.

In der modernen Leitzentrale des Unternehmens, die im Dorf Dauerthal – mitten im Nirgendwo – errichtet wurde, werden 1400 Windräder weltweit überwacht. Immerhin zwei Drittel der Fehler lassen sich aus der Ferne beheben.

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