Zugunglück: Arbeiter ist tot : Retter suchen mit bloßen Händen

Mit enormer Wucht krachten zwei  Güterzüge zusammen und rissen ein Stellwerkshaus nieder. Ein Mitarbeiter wurde darunter vermutlich verschüttet. dpa
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Mit enormer Wucht krachten zwei Güterzüge zusammen und rissen ein Stellwerkshaus nieder. Ein Mitarbeiter wurde darunter vermutlich verschüttet. dpa

Der nach dem Zugunglück in Hosena vermisste Stellwerksmitarbeiter ist tot. Rettungskräfte bargen die Leiche des 54-jährigen Bahnangestellten gestern Nachmittag aus den Trümmern des Gebäudes, wie die Polizei mitteilte.

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27. Juli 2012, 07:31 Uhr

Hosena | Schwere Güterwagen stapeln sich übereinander oder sind ineinander verkeilt. Einige der Eisenbahnwaggons wurden wie Pappe zerdrückt. Eine Lok liegt umgekippt neben den Gleisen, ein Stellwärterhäuschen ist eingestürzt: Nach dem Zugunglück beim Bahnhof Hosena (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) unweit der brandenburgisch-sächsischen Grenze blicken die Rettungskräfte auf eine langgestreckte Trümmerstelle. Augenzeugen berichten davon, dass alles "ziemlich wirr" aussieht.

An der Einfahrt zum Bahnhof war am Donnerstagabend ein mit Schotter beladener Güterzug aus noch ungeklärter Ursache auf einen stehenden, leeren Güterzug aufgefahren. Nach ersten Erkenntnissen der Bundespolizei wartete ein unbeladener Güterzug auf dem Bahnhof vor einem Haltesignal. Einige Waggons im hinteren Zugteil ragten in einen

Weichenbereich hinein. Der entgegenkommender Zug, der mit Schotter beladen war, stieß seitlich gegen diese

Waggons. Durch die Wucht das Aufpralls verkeilten sich etwa sechs Wagen und stürzten um. Sie wurden gegen das Stellwerk geschleudert, das daraufhin einstürzte.

Der Triebwagenführer des mit Schotter beladenen Zugs erkannte kurz vor dem Aufprall noch rechtzeitig die Gefahr und rettete sich mit einem Sprung aus seinem Fahrzeug. Dabei zog er sich mehrere Brüche an den Beinen zu. Er wurde in ein Krankenhaus geflogen. Der andere Zugführer wurde leicht verletzt und ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht. Bei der Kollision wurde das Stellwerksgebäude zerstört. Der diensthabende Bahnmitarbeiter wurde vermisst und erst am Nachmittag tot in den Trümmern gefunden. Die Polizei hat den Unglücksort weiträumig abgesperrt.

Die Einsatzkräfte konnten nicht sofort zu den verunglückten Zügen vordringen, da der unter Strom stehende Unfallort zunächst von der Feuerwehr geerdet werden musste, sagte der Polizeisprecher. Bereits in der Nacht suchten Helfer nach dem vermissten Bahnmitarbeiter. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und der örtlichen Rettungskräfte trugen das Stellwerksgebäude mit bloßen Händen Stein um Stein ab. Ein Bagger räumte die geborgenen Trümmerteile dann beiseite, um Platz zu schaffen.

Die Bundespolizei war mit bis zu 35 Beamten vor Ort. An der Unglücksstelle wird laut Polizei zusätzlich schweres Gerät eingesetzt. Die Arbeiten seien auch wegen des schwer zugänglichen Geländes mühsam, sagte der Sprecher. Es sei begonnen worden, Bäume zu kappen und zu fällen, um Platz für den Schutt zu schaffen. Der Einsatz von Rettungshunden brachte zunächst keinen Erfolg.

Nach Angaben der Bahn handelte es sich um Züge eines privaten Unternehmens. Mitarbeiter des Eisenbahnbundesamtes und der Bundespolizei begutachten die verunglückten Waggons, um Hinweise auf die Unglücksursache zu erlangen. Erst danach werde mit der Bergung der Züge begonnen, sagt Gauer. Die Suche nach dem vermissten habe Vorrang.

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