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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 20:35 Uhr

Retter sind selbst in Not geraten

vom

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2012 | 06:26 Uhr

Warnemünde | Die Seenotretter von Warnemünde sind jetzt selbst in Not geraten. Allerdings erleiden sie Schiffbruch auf andere Art. Bei ihnen ist nicht das Leben von Menschen, sondern ein Bauvorhaben in Gefahr. "Wir kommen mit unserem Umbau des Hauses nicht weiter", sagt Jörg Westphal, Leiter des Informationszentrums der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Für die unfreiwillige Pause im Baugeschehen Am Leuchtturm ist die so genannte Tüsche verantwortlich. Der Begriff leitet sich vom Wort "dazwischen" ab und bezeichnet den Durchgang zwischen zwei Häusern. Früher mussten diese dünnen Wege wenigstens so breit sein, dass eine schwangere Kuh durchpasst.

Enge Durchgänge erschweren den Brandschutzes

Kühe spielen heute keine Rolle mehr in Warnemünde. Die Tüschen bereiten wegen der hohen baulichen Auflagen des Brandschutzes einige Schwierigkeiten. Und das fällt auch Jörg Westphal derzeit auf die Füße. Konträre Standpunkte beim Umgang mit diesem Kapitel des Hauses sind der Grund, weshalb ihm die Baugenehmigung für den weiteren Ausbau derzeit versagt wird. In dem denkmalgeschützten Haus soll im Erdgeschoss ein modernes und von der Fläche geräumiges Informationszentrum der DGzRS erstehen. Auslöser für den Umbau zu diesem Zeitpunkt waren die flutartigen Regenfälle vom 22. Juli im vergangenen Sommer, die auch im Erdgeschoss große Schäden verursacht haben.

Von diesem Umbau sollen auch die Männer der Seenotrettungsschiffe profitieren. Für sie sollen dort Aufenthaltsräume entstehen, da sie bisher immer an Bord der Schiffe bleiben mussten. Der Eingang zu diesem Raum soll an der Tüschenwand entstehen, dort wo sich jetzt ein Fenster befindet. "Diese Pläne durchkreuzt derzeit das Bauamt", sagt Westphal. Er ist ein wenig deprimiert über das Schneckentempo bei dem Vorhaben, denn so gehen kostbare Zeit und Spendengelder oder Erlöse vom Verkauf im Zentrum verloren. "Außerdem mussten wir bereits Veranstaltungen mit der Tourismuszentrale für die Winter- und auch Osterferien absagen", so Westphal. Das bedeutet für die bisher durch ihre Arbeit gut angesehenen Seenotretter einen großen Imageschaden. "Wir haben derzeit in Warnemünde auch kein Büro mehr, die Arbeit erfolgt größtenteils von Wustrow aus", sagt er. Das Bauamt möchte jetzt drei Konzepte von der DGzRS vorgelegt bekommen. Bis dahin wird es noch einmal Überlegungen mit dem Architekten geben.

Westphal hofft auf eine baldige Einigung mit dem Bauamt und darauf, dass die Genehmigung erteilt wird. "Wir nehmen die Verantwortung mit diesem Haus, in dem einst auch Stephan Jantzen gelebt hat, sehr ernst", sagt er. Zudem wollen die Seenotretter rechtzeitig vor dem 100. Todestag im Jahr 2013 fertig sein.

"Wir finanzieren dieses kostspielige Bauvorhaben von Spendengeldern", sagt Westphal. "Und da wollen die Spender auch ein anständiges Ergebnis sehen", fügt er hinzu. Zwischen Fertigstellung und dem Baustopp liegt das Ringen nach einer Lösung im Tüschen-Konflikt.

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