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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 12:18 Uhr

Waldtausch : Rethmann muss warten

vom

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erstellt am 19.Aug.2013 | 06:02 Uhr

Schwerin | Eigentümerwechsel im Wald und auf dem Acker: Der zwischen der Milliardärs-Familie Rethmann aus Wamkow bei Sternberg und dem Land beschlossene Tausch hunderter Hektar Wald in MV zieht weitere Landgeschäfte nach sich. Jetzt hat im Großraum Rostock ein Bauer beim Land einen Antrag auf Ackertausch gestellt, teilte das Landwirtschaftsministerium auf Anfrage mit. Der freiwillige Tausch von fünf Hektar Land sei beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg in Rostock eingegangen. Darüberhinaus gebe es zwei Anfragen von Landwirten, die mit dem Land weniger als einen halben Hektar tauschen wollen.

Kritiker des umstrittenen Rethmann-Deals hatten befürchtet, dass der Besitzerwechsel eine Reihe von weiteren Grundstücksgeschäften auslösen werde. Es gebe laufend Anfragen, erklärte Sven Blomeyer, Chef der Landesforstanstalt in Malchin: "Das gibt es seit vielen Jahren." Immer wieder mal habe das Land mit Privatleuten Waldflächen zwischen 10 und 40 Hektar getauscht. Eine spürbare Zunahme sei nach der Entscheidung des Landtages über den Flächentausch mit Rethmann allerdings nicht zu verzeichnen, teilte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums gestern mit.

Noch muss Rethmann, der mit mehr als 7000 Hektar Acker und Wald zu einem der größten Bodenbesitzer in Mecklenburg-Vorpommern zählt, auf seinen neuen Wald allerdings warten: Das Geschäft zieht sich in die Länge. Der Landtag hatte Ende Mai mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und gegen den Widerstand der Opposition die Übertragung von 426 Hektar aus Landesbesitz an Rethmann und die Übergabe von 609 Hektar aus Privatbesitz an das Land beschlossen. Fast ein Vierteljahr nach der Parlamentsentscheidung sei der Tausch noch nicht vollzogen, teilte Sven Blomeyer, Chef der Landesforstanstalt, in Malchin mit. Die Rechtsaufsicht habe den Tausch inzwischen genehmigt. Jetzt werde für den freiwilligen Flächentausch der entsprechende Schriftsatz vorbereitet. Der eigentliche Tausch der beiden Flächen erfolge dann bei der Flurneuordnungsbehörde beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft Vorpommern. Das werde aber noch einige Monate dauern, erwartet Blomeyer.

Rethmann versuchte bereits 2007, seinen Besitz rund um Wamkow zu erweitern und Wald mit dem Land zu tauschen. Grüne und Linke, aber auch Kritiker des Deals innerhalb der Forstverwaltung befürchten allerdings ein Verlustgeschäft zulasten des Landes. So erhält Rethmann wertvollen Mischwald aus dem Forstamt Gädebehn zwischen Crivitz und Brüel und gibt dafür minderwertigeren Kiefernwald aus dem Forstamt Rothemühl in Vorpommern. Eine Analyse berechnet für das Land in den kommenden zehn Jahren Erlösausfälle von bis zu 2,8 Millionen Euro. Ein bisher vorgelegtes und von Rethmann bezahltes Gutachten war von einem wertgleichen Tausch ausgegangen, hatte aber die mittel- und kurzfristigen Ertragserwartungen nicht berücksichtigt.

Ein ähnlich großes Geschäft wickelte das Land bereits vor acht Jahren ab. Damals übertrug die öffentliche Hand der Unternehmerfamilie Weber 437 Hektar Staatswald. Wert: 5,8 Millionen Euro. Im Gegenzug erhielt das Land Waldflächen in Zachow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

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