DGB kritisiert Konzept : Rentner in den Betrieb? Otto-Modell fällt durch

Rentner zurück in die Firmen - mit diesem Konzept überrascht jetzt der Handelskonzern Otto, der mit dem zeitweisen Einsatz seiner Rentner und Pensionäre dem Fachkräftemangel begegnen will.

svz.de von
26. Juli 2012, 10:35 Uhr

Schwerin | Rentner zurück in die Firmen - mit diesem Konzept überrascht jetzt der Handelskonzern Otto, der mit dem zeitweisen Einsatz seiner Rentner und Pensionäre dem Fachkräftemangel begegnen will. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) in MV halten das unter bestimmten Vorraussetzungen für eine gute Idee: "Wenn es keine qualifizierten Fachkräfte gibt, dann spricht doch nichts dagegen, dass Unternehmen ihre Ruheständler zeitweise als Berater oder projektbezogen wieder einstellen", so Pressesprecherin Ivonne Schnell von der IHK Neubrandenburg. Der Kammer sei aber bislang kein Unternehmen in ihrem Bereich bekannt, dass so wie der Otto-Konzern verfährt. Das trifft ebenso auf die IHK in Rostock und Schwerin zu. Dort wird auch ähnlich argumentiert: "Die Kammer beurteilt die Wertschätzung gegenüber langjährigen Mitarbeitern generell als positiv und sieht deren Wieder- oder Weiterbeschäftigung als ein sinnvolles Mittel, bei Bedarf entsprechendes Arbeitskräftepotential für die Wirtschaft zu gewinnen", so Peter Todt, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung der IHK zu Schwerin.

Auf wenig Gegenliebe stößt die Idee aber beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB): "Da ist höchste Vorsicht geboten", betonte Uwe Grund vom DGB Nord. Grundsätzlich sei zwar nichts gegen die Idee einzuwenden. Das dürfe aber nie die Regel werden. Nicht dass es dann plötzlich heiße: "Opa arbeitet, die Tochter ist in befristeter Leiharbeit und der Enkel wird nach der Ausbildung nicht übernommen." Grund erinnerte dabei an die Leiharbeit, die ehedem kurzfristige Auftragsspitzen und Personalengpässe abfedern sollte. "Längst wird sie aber großflächig missbraucht, um Stammbeschäftigte aus Firmen hinauszudrängen und Dumpinglöhne durchzusetzen", kritisierte er.

Einen etwas anderen Weg als Otto ist im vergangenen Jahr übrigens die IHK Neubrandenburg gegangen, als sie die Initiative "Darf’s ein bisschen mehr sein?" ins Leben gerufen hat, so Sprecherin Schnell. Demnach sollen jene Lehrstellen, die unbesetzt bleiben, bei entsprechender Eignung mit älteren Arbeitssuchenden besetzt werden.


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