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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 00:35 Uhr

Neue Renten-Studie : Rentenfinanzierung solide

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine neue OECD-Studie zeigt auch: Bei der Absicherung gibt es in Deutschland größere Lücken als in anderen Ländern.

svz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 21:00 Uhr

19,4 Jahre – so viele Jahre bleiben Männern in Deutschland im Schnitt noch, wenn sie in den Ruhestand gehen. Bei Frauen sind es wegen einer deutlich höheren Lebenserwartung sogar 22,8 Jahre. Zwar legte Deutschland in den vergangenen Jahren beim Anteil der Älteren im Job so stark zu wie kein anderes OECD-Land. Trotzdem haben die Rentner hierzulande immer noch länger etwas von ihren Altersbezügen, als dies im OECD-Schnitt der Fall ist. Lange Rentenzeiten seien ja eigentlich etwas Schönes, meint die OECD-Rentenexpertin Monika Queisser bei der Vorstellung der Zahlen.

Das Problem: „Irgendwie muss das bezahlt werden.“ Wie gut ist Deutschland hier gerüstet? Zunächst gibt die neue Renten-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Auskunft über die Lage der Rentner heute. So beziehen Männer im OECD-Schnitt 17,6 Jahre Rente, Frauen 22,3 Jahre. In Frankreich sind es bei Männern 23, bei Frauen 27,2 Jahre, in Italien 21,1 bzw. 25,4 Jahre, aber zum Beispiel in Polen nur 16,6 Jahre bzw. 23,9 Jahre. Hier ist das tatsächliche Rentenalter zwar vergleichsweise gering – aber auch die Lebenserwartung.

Nun sollen die Renten einerseits möglichst ein auskömmliches Leben ermöglichen – andererseits aber auch bezahlbar bleiben. Wie steht Deutschland hier da? Die gesetzliche Rente ersetzt einem Durchschnittsverdiener, der sein Leben lang im Job war, laut der Studie gut 53 Prozent seines Nettoverdienstes – im OECD-Schnitt sind es 63 Prozent. Bei Geringverdienern ist das Absicherungsniveau der Rente in Deutschland im internationalen Vergleich noch deutlich kleiner. Eine Umverteilung des Einkommens durchs Rentensystem gebe es hier praktisch nicht, sagt Queisser. Anders als etwa in Dänemark oder den Niederlanden, wo es Niedrigverdienern mit der Rente besonders gut geht.

So verwundert es nicht, dass das Armutsrisiko von Rentnerhaushalten in Deutschland höher ist als in anderen europäischen Ländern. 9,4 Prozent von ihnen liegen, so die Definition, beim Einkommen bei weniger als 50 Prozent des Durchschnitts – in den Niederlanden, Frankreich oder Dänemark sind es mit zwei bis fünf Prozent deutlich weniger. Vor allem wer Zeiten in Arbeitslosigkeit oder Teilzeit-Beschäftigung hinter sich hat, läuft in einem Rentensystem wie dem deutschen unmittelbarer Gefahr, im Alter arm zu sein. Wer weniger einzahlt, bekommt auch weniger heraus – zumal wenn man nicht privat vorgesorgt hat.

 

Besteuerung von Renten rechtens

Rentner müssen auch in Zukunft Einkommenssteuer auf ihre Altersbezüge zahlen: Die 2004 beschlossene Rentenbesteuerung ist mit dem Grundgesetz vereinbar. Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Nach dem gestern veröffentlichten Beschluss verstoßen die Regelungen, die bis 2040 eine schrittweise ansteigende Besteuerung der Altersbezüge vorsehen, insbesondere nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes (Az.: 2 BvR 1066/10). Damit scheiterten mehrere Ruheständler mit ihren Klagen in Karlsruhe.

Derzeit leben in Deutschland mehr als 20 Millionen Rentner. Für jeden neuen Jahrgang erhöht sich deren Steuerpflicht ab einem bestimmten Rentenniveau. Im Gegenzug werden die von Arbeitnehmern eingezahlten Rentenbeiträge über die Jahre immer stärker von der Einkommensteuer freigestellt. Die Neuregelungen waren eingeführt worden, nachdem das Verfassungsgericht 2002 die ungleiche Besteuerung von Renten und Pensionen für verfassungswidrig erklärt hatte.

Wie in Steuerdingen üblich, räumten die Karlsruher Richter dem Gesetzgeber bei der Rentenbesteuerung einen weiten Gestaltungsspielraum ein. Dieser sei nicht überschritten, hieß es. Auch eine verfassungswidrige Doppelbesteuerung liege nicht vor. Zuvor hatte der Bundesfinanzhof die Klagen abgewiesen. Die Rentensteuer, die zum 1. Januar 2005 in Kraft trat, betrifft eine relativ kleine, aber jährlich wachsende Gruppe Ruheständler. Grund dafür sind auch Rentenerhöhungen. So werden 2016 voraussichtlich rund 3,9 Millionen Rentner Steuern auf ihre Altersbezüge zahlen müssen.

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