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Spediteure in MV : Rente mit 63 reißt Personallücke

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spediteure in MV: Frührente verschärft Fachkräftenot / Im Norden 3600 Anträge für vorzeitigen Ruhestand

Arbeitskräftenot an der Werkbank: Mehr als 3600 Arbeitnehmer haben in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein bis Ende Juli ihren Antrag auf Rente mit 63 eingereicht – und damit einige Branchen in Alarmstimmung versetzt. Vor allem Logistiker und Speditionen fürchten eine große Lücke, die der frühere Renten-Eintritt in die Personaldecke reißt.

Die Branche habe schon jetzt ein Mitarbeiter-Problem, erklärte Norbert Voigt, Chef des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes gestern in Neubrandenburg. Die ersten Spediteure hätten bereits ausländische Mitarbeiter auf den Bock geholt – aus Polen, Spanien. Jetzt droht der von der großen Koalition in Berlin zugesagten Rente mit 63 für zusätzliche Personalnot. „Wenn das so weiter geht, haben wir bald Autos, aber keine Fahrer mehr“, meinte Voigt. Das Durchschnittsalter der etwa 3000 beschäftigten Lkw-Fahrer in Mecklenburg-Vorpommern liege bei etwa 50 Jahren. Der Wunsch nach früherem Ruhestand werde die Branche zu spüren bekommen. „Die weniger Kraftfahrer, die wir noch haben, werden wir in Watte packen müssen“, meinte Voigt.

In Nordrhein-Westfalen sollen Logistiker ihren Arbeitnehmern bereits Aufschläge von 10 bis 15 Prozent zahlen, um sie zum Bleiben zu bewegen.

Seit dem 1. Juli können Arbeitnehmer, die mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, ohne Abschlag in Rente gehen. Phasen von Arbeitslosigkeit und Zeiten von Kindererziehung werden mit angerechnet. Bis 2029 wird das Eintrittsalter für eine abschlagsfreie Rente allerdings schrittweise auf 65 Jahre angehoben.

Bis Ende Juli haben rund 85 000 Beschäftigte einen Antrag auf abschlagsfreie Rente mit 63 gestellt. Dies teilte die Deutsche Rentenversicherung Bund gestern in Berlin mit. Nach ihren Angaben hatten bis Ende Juni – und damit schon vor Inkrafttreten des Gesetzes – 50 000 Beschäftigte entsprechende Anträge gestellt. Die Regierung rechnet im Einführungsjahr der Rente mit 63 mit etwa 240 000 Beschäftigten, die diese Möglichkeit nutzen. Dazu zählen aber auch jene Beschäftigten, die die Voraussetzungen nicht erfüllen, aber dennoch in Ruhestand gehen wollen und dafür Abschläge in Kauf nehmen.

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