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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 18:56 Uhr

Hintergrund : Rennen um den DDR-Acker

vom
Aus der Onlineredaktion

Ost-Acker soll bis 2030 privatisiert sein

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Es ist das größte Bodengeschäft in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands: Mit Rabatt oder auch zu Höchstgeboten – mehr als 326 000 Hektar ehemaligen Staatsacker, aber auch 106 600 Hektar Wälder sowie Seen der DDR hat die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) in den vergangenen 25 Jahren in MV privatisiert.

Der Bodenverkauf ist vor allem in MV eine der erfolgreichsten Privatisierungen der DDR-Wirtschaft und ein einträgliches Geschäft für die Bundeskasse: Berechnungen zufolge flossen allein aus dem Geschäft im Nordosten zwischen den Jahren 2010 und 2013 etwa 1,8 Milliarden Euro aufs Staatskonto – 40 Prozent aller in den neuen Ländern in diesem Zeitraum erzielten Privatisierungseinnahmen der BVVG von 4,5 Milliarden Euro. Seitdem kamen weitere Milliarden dazu: Allein 2016 erzielte die BVVG weitere Erlöse von 402 Millionen Euro – 139 Millionen aus Mecklenburg-Vorpommern.

Zu Lasten vieler Bauern: Die Milliardenausgaben für den Bodenkauf blockieren Investitionen in Technik und neue Ställe. Mit einem durchschnittlichen Hektarpreis von 24 820 Euro ist der ehemalige Staatsacker in MV der teuerste aller neuen Länder. Auch der Pachtzins hat eine Rekordhöhe erreicht: 439 Euro je Hektar werden in MV verlangt. Nur in Sachsen-Anhalt stellt die BVVG mit 546 Euro je Hektar noch höhere Pachtrechnungen aus. Die Flächen seien ein knappes Gut, das nicht vermehrbar sei, versuchte BVVG-Chef Stefan Schulz vor Kurzem die höheren Bodenpreise zu begründen: „Unter diesen Bedingungen gilt Grund und Boden als langfristig stabile Kapitalanlage.“ Ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht: Die Privatisierer rechnen mit weiter steigenden Preisen, wenn auch nicht mit der Dynamik der letzten Jahre.

Indes sollen die einst volkseigenen Agrarflächen bis 2030 verkauft sein. 25 Jahre nach ihrer Gründung hat die BVVG noch 130 000 Hektar Äcker und Weiden sowie 9000 Hektar Wald im Angebot.

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