zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 05:52 Uhr

Musterwohnung : Rendezvous mit Paul

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für Senioren gibt es inzwischen viele Helfer, die ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Paul ist der Mann für alle Fälle, 24 Stunden im Einsatz und das ganz ohne Murren: Er ordert den Einkauf, er bestellt das Essen auf Rädern, er sorgt für Sicherheit in den eignen vier Wänden und er schafft –  quasi auf Fingerdruck – Kontakt zu den Kindern, die 600 Kilometer entfernt in Süddeutschland leben. Senioren können Paul – der Name steht für „Persönlicher Assistent für unterstütztes Leben“ – von sofort an zu einem ersten unverbindlichen Rendezvous in Greifswald treffen. In der Hansestadt ist seit gestern die landesweit erste kommunale Beratungsstelle für intelligente Alltagshilfen für Senioren geöffnet. Sie ist eine von bundesweit 22 Beratungsstellen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unter dem Schlagwort „Besser leben und wohnen im Alter durch Technik“ gefördert wird.

Hintergrund dieses Programms ist der demografische Wandel mit einem stetig steigenden Anteil von Älteren und Hochbetagten. Der Kreis Vorpommern-Greifswald ist der drittgrößte Flächenlandkreis in Deutschland, sagt André Huysmann, Leiter der Greifswalder Beratungsstelle. In den ländlichen Regionen des Kreises wird 2030 jeder zweite Einwohner älter als 65 Jahre sein.

Zentrum der Greifswalder Beratungsstelle bildet eine Musterwohnung mit rund 25 verschiedenen Produkten und Technologien, die ein besseres und sichereres Wohnen im Alter ermöglichen sollen – vom Staubsaugerroboter, über Steuerungssysteme für Licht- und Bewegungssensoren, per App kontrollierbare Sturzmatten bis zu einfachen Tür- oder Flaschenöffner-Hilfen sowie der „Demenzrobbe“ Fine. Das elektronisch gesteuerte Kuscheltier soll als therapieunterstützendes System Betroffenen helfen, sich im Alltag zurechtzufinden. Mit der Musterwohnung will die Beratungsstelle einen anbieterunabhängigen Überblick über das inzwischen breite Angebot an Hilfssystemen schaffen, sagt Huysmann. In den vergangenen fünf Jahren habe die Technik eine rasante Entwicklung genommen. So könnten Angehörige oder Pflegedienste über Apps oder die Steuerungssysteme den Aktivitätszyklus des Betroffenen gemeldet bekommen und bei Auffälligkeiten sofort reagieren. Viele Gerätehersteller hätten sich mit großen Tastaturen, Schriftfeldern oder einfacher Bedienung auf die Bedürfnisse älterer Nutzer eingestellt.

„Die Technik ist kein Ersatz für soziale Kontakte“, macht Huysmann klar. Aber sie könne das Leben erleichtern. Die Beratungsstelle will Vorbehalte von Senioren gegenüber der Technik abbauen. Die Rentner können alle Geräte auf Herz und Nieren testen. Wohnungsgesellschaften, Pflegedienste oder Angehörige können sich über die Vielfalt der Angebote informieren. Die Nachfrage ist groß: Zum Eröffnungstag hatten sich in Greifswald rund 20 Pflegedienste angemeldet. Anfang Oktober stellt die Beratungsstelle auf Einladung des Verbandes der Norddeutschen Wohnungsunternehmen die Hilfs- und Assistenzsysteme in sechs Städten des Landes vor.

Besonders von Senioren gefragt seien die passiven Unterstützungssysteme wie Kontaktmatten mit Sturzsensoren, die nur im Ernstfall auslösen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kinder aus Sorge um ihre Eltern die totale Überwachung wollen. Das möchten aber die Senioren nicht“, sagt Huysmann.

Das Projekt in Greifswald wird wie die anderen 21 Beratungsstellen zwei Jahre lang durch den Bund gefördert. Danach sollen sich die Beratungsstellen selbst tragen. Zudem wird eine Nationale Referenzdatenbank „Besser leben im Alter durch Technik“ aufgebaut, die alle aktuell und absehbar am Markt verfügbaren technischen Hilfsmittel beschreibt.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen